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Parteitag in Hamburg
Kramp-Karrenbauer gewinnt Wahlkrimi um CDU-Vorsitz

Mit Tränen in den Augen winkt die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (l.) den Delegierten zu.
Mit Tränen in den Augen winkt die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (l.) den Delegierten zu. FOTO: dpa / Christian Charisius
Hamburg/Saarbrücken. Die frühere saarländische Ministerpräsidentin setzt sich beim Parteitag in Hamburg in der Stichwahl knapp gegen Friedrich Merz durch und löst Angela Merkel an der Spitze ab. Von Ulrich Brenner und dpa
Ulrich Brenner

Die CDU hat Annegret Kramp-Karrenbauer in einer dramatischen Wahl zu ihrer neuen Bundesvorsitzenden und Nachfolgerin von Angela Merkel gekürt. Nach einer emotionalen Rede setzte sich die Saarländerin am Freitag beim Bundesparteitag in Hamburg in einer Stichwahl knapp gegen den früheren Unionsfraktionschef Friedrich Merz durch. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn war bereits im ersten Wahlgang ausgeschieden.


Die Siegerin und die Verlierer riefen die CDU nach der Abstimmung einhellig zur Geschlossenheit auf. Alle drei lobten den „fairen Wettbewerb“ nach 18 Jahren mit Merkel an der Parteispitze. „Dieser Aufschwung muss weitergehen“, sagte Kramp-Karrenbauer. Sie reagierte gerührt auf das Vertrauen, das ihr die Delegierten mit dem Wahlergebnis ausgesprochen hatten. Die Sigerin galt als Wunschkandidatin Merkels.

Die bisherige CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer erhielt im zweiten Wahlgang knapp 52 Prozent der Stimmen. Für Merz entschieden sich gut 48 Prozent der Delegierten. Spahn war im ersten Wahlgang abgeschlagen auf knapp 16 Prozent der Stimmen gekommen. Offensichtlich waren überraschend viele Unterstützer Spahns im letzten Wahlgang zu Kramp-Karrenbauer gewechselt.



Merkel wird Regierungschefin bleiben. In ihrer letzten Rede als Vorsitzende sagte sie: „Für meine Verbundenheit mit der Partei brauche ich keinen Parteivorsitz – und Bundeskanzlerin bin ich ja auch noch.“ Merkel erklärte, die CDU könne auch in Zeiten von Polarisierung und AfD gute Ergebnisse erringen, „wenn wir geschlossen und entschlossen kämpfen“. Kramp-Karrenbauer hatte in ihrer Bewerbungsrede erklärt, die CDU müsse eine Partei sein, die Mut hat – anstatt „ängstlich nach rechts und nach links zu schauen“.

Bei den saarländischen CDU-Delegierten herrschte Hochstimmung. Wenige Sekunden nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses standen die Saarländer auf den Stühlen, zückten die Saarlandflagge und jubelten wie bei einem Fußballspiel. „Annegret, Annegret“-Sprechchöre ertönten. CDU-Landeschef und Saar-Ministerpräsident Tobias Hans sprach von einem „überwältigenden Gefühl“. Begeistert äußerte sich auch Peter Altmaier, Bundeswirtschaftsminister und Saarlouiser Parteikollege der neuen CDU-Vositzenden: „Ich habe immer gewusst, dass es sehr, sehr knapp wird. Annegret Kramp-Karrenbauer hat das Herz der Delegierten gewonnen.“