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Korruption bei MAN: Über 100 Verdächtige

München. Der Korruptionsverdacht beim Münchner Lastwagenhersteller MAN Nutzfahrzeuge wächst in eine neue Dimension. Derzeit gebe es über 100 Verdächtige, teilte Oberstaatstaatsanwalt Manfred Nötzel gestern in München nach fünftägiger Durchsuchung zahlreicher Geschäfts- und Privaträume im gesamten Bundesgebiet mit. Zunächst war nur von drei Verdächtigen die Rede Von SZ-Mitarbeiter Thomas Magenheim-Hörmann

München. Der Korruptionsverdacht beim Münchner Lastwagenhersteller MAN Nutzfahrzeuge wächst in eine neue Dimension. Derzeit gebe es über 100 Verdächtige, teilte Oberstaatstaatsanwalt Manfred Nötzel gestern in München nach fünftägiger Durchsuchung zahlreicher Geschäfts- und Privaträume im gesamten Bundesgebiet mit. Zunächst war nur von drei Verdächtigen die Rede. Ermittelt werde wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit sowie Steuerhinerziehung gegen MAN-Beschäftigte und deren Kunden. Zwei Personen seien verhaftet worden, einer davon sei wieder frei. Keiner der beiden sei ein gegenwärtiges MAN-Vorstandsmitglied, stellte Nötzel klar. Ob unter den sonstigen Verdächtigen aktive Manager des Münchner Traditionskonzerns sind, ließ er mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen offen. Der "Spiegel" will erfahren haben, dass unter anderem ein derzeitiges Vorstandsmitglied verdächtigt wird. Andere Medien sehen ehemalige Manager auf der Verdächtigenliste. MAN selbst schweigt dazu. Die eigenen, internen Nachforschungen stünden am Anfang.26 Staatsanwälte, eine Hundertschaft Steuerfahnder und rund 300 Polizisten hatten die Ermittler wegen MAN vorige Woche in allen Bundesländern im Einsatz. Gefilzt wurden unter anderem die Zentrale der MAN-Nutzfahrzeuge in München, das Nürnberger Werk, Niederlassungen und sieben Privatwohnungen, bundesweit insgesamt 59 Objekte, erklärte Manfred Nötzel. Umfangreiche Buchungs- und Projektunterlagen, Provisionsscheine und Revisionsberichte seien sichergestellt worden. Es bestehe der Verdacht eines bundesweiten Systems zur Förderung des Absatzes von Lastern und Bussen im Bundesgebiet. Darüber hinaus vermutet die Justiz, dass auch im Ausland potenzielle Kunden und Amtsträger geschmiert wurden, um Nutzfahrzeuge von MAN und nicht der Konkurrenz zu kaufen. Die Ermittler sprechen von Briefkastenfirmen in Malta, auf den Bahamas, den britischen Jungferninseln, Zypern, London und New York. Zudem seien Barauszahlungen geflossen. Für das Inland nennt Nötzel eine Million Euro als Summe der Schmiergeldzahlungen. Insider sprechen inklusive Ausland von einer zweistelligen Millionensumme nahe 15 Millionen Euro. Geflossen seien die als Provisionen getarnten Gelder an Mitarbeiter von MAN-Kunden, teils auf die Konten von Angehörigen und Freunden. Schwerpunkt der Verdachtsfälle war der Lkw-Vertrieb. Parallel dazu ermittelt MAN selbst. Bereits 2007 habe eine interne Revision Zahlungsvorgänge beanstandet. Daraus habe man organisatorische und personelle Konsequenzen gezogen. MAN habe sich von "unter 20 Mitarbeitern getrennt", die gegen interne Regelungen verstoßen haben.