Konzert des Hausmusikkreises der VHS St. Ingbert

Hausmusik : Die wahre Begeisterung fürs Musizieren

Der Hausmusikkreis der VHS St. Ingbert hatte zum Konzert eingeladen. Die Gäste durften sich über temperamentvolle Darbietungen freuen.

Für die Gäste des kleinen Konzerts des Hausmusikkreises der Volkshochschule blieb es am Sonntag nicht beim Zuhören. Wie auch? Selbst mit Dirigent Helmut Haag ging das Temperament bei einigen Titeln durch – er stampfte den Takt mit, sang und ließ sogar Tanzansätze durchblitzen. Auch die Besucher honorierten die Musikauswahl und sangen und summten bereits, bevor die Instrumente überhaupt einen Ton von sich gaben. Hier ließ sich die wahre Begeisterung für das Musizieren noch spüren – auf Seiten des Publikums und des Streichorchesters. Das „Sommerliche Musizieren“ hat im Kulturhaus in der Annastraße Tradition und selbst, wenn bei diesem kleinen Hausmusikkreis aus Musikliebhabern nicht jeder Ton akkurat ist, wird die Reihe geliebt. Oder gerade deshalb. Man konnte als Zuhörer seiner Begeisterung auch einmal an den „falschen Stellen“ Ausdruck verleihen, wo die Musiker in den großen Konzerthäusern sonst die Nase rümpfen, den Takt mitklopfen oder seinem Nachbarn den Text ins Ohr hauchen. Helmut Haag bezeichnete den ersten Teil des musikalischen Nachmittags als einen „Gemischtwarenladen“. Dieser hatte an diesem Tag mit „Wien bleibt Wien“, „Unter den Brücken von Paris“, „Ganz Paris träumt von der Liebe“, das „Ständchen“ von Jonny Heykens, das Hans Albers einst sang, „Moon River und „Im Krapfenwald‘l“ die unterschiedlichsten Musikrichtungen von Marsch über Walzer bis Polka im Angebot. Einige der Streicher ahmten beim letzten Titel vor der Pause, dem Stück von Johann Strauß junior, das auch „Kuckuckspolka“ genannt wird, das Vogelgezwitscher nach. Mit dieser kleinen Inszenierung konnte man sich die ehemalige Sommerfrische im beliebten Ausflugsgebiet Krapfenwaldl um Wien gut vorstellen.

In diesem Jahr hat sich der Hausmusikkreis auch mit südamerikanischen Rhythmen beschäftigt, die in der zweiten Hälfte vorgetragen, dem Konzert ebenfalls eine sommerliche Leichtigkeit verlieh, auch wenn sich an diesem Tag die Sonne nicht zeigte. Brasilianischer und ein mexikanischer Walzer, argentinischer und brasilianischer Tango, der kubanische Song „Guantanamera“ und noch einige mehr gefielen den Zuhörern des Hausmusikkreises. Sie konnten Helmut Haag verstehen, der diese Stücke, die zum Teil von Barbara Leichtweis-Birtel gesanglich herausgehoben wurden, erst nach seiner „klassischen Karriere als Profimusiker“ für sich entdeckte. Melodien von Beethoven, Bruckner und Brahms, die ebenfalls nicht zu verachten sind, blieben an diesem Tag ungespielt und machten dem südamerikanischen Temperament Platz.

Nach „Floraux“ von Ernesto Nazareth, dem Erfinder des brasilianischen Tangos, waren Haag und die Instrumentalisten stolz und erleichtert „Wir haben lange überlegt, ob wir das Stück spielen. Aber wenn man den Beifall hört, dann weiß man, die Arbeit hat sich gelohnt“, sagte der musikalische Leiter und erwähnte beiläufig, dass das Stück nicht einfach zu spielen sei.