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Konflikt um Jemen wird zur blutigen Katastrophe

Kairo. Birgit Cerha

Dem Jemen, Armenhaus der arabischen Welt, zerrissen von lokalen Konflikten, Heimat der gefährlichen Terrororganisation "Al Qaida auf der Arabischen Halbinsel" (AQAH), in die nun der rivalisierende "Islamische Staat" (IS) blutig eindringt, droht der totale politische Zusammenbruch. Es wäre eine neue Katastrophe für ein Land, dessen Bevölkerung mehrheitlich am Rande des Elends dahinvegetiert.

Um die schiitischen Houthi-Rebellen daran zu hindern, nach der Vertreibung Präsident Hadis die Hafenstadt Aden vollends unter ihre Kontrolle zu bringen, stellte Saudi-Arabien eine Allianz sunnitischer Bruderstaaten zusammen. Sie soll die Houthis vertreiben. Denn sonst hätten sie das "Tor der Tränen" unter Kontrolle, die Meerenge zwischen Indischem Ozean und Rotem Meer. Riad führt die Militäroffensive mit hundert Kampfjets und 150 000 Soldaten in Bereitschaft. Zunächst geht es darum, die Houthis ihrer militärischen Kapazitäten zu berauben - insbesondere der in der Hauptstadt Sanaa eroberten Raketenarsenale, von denen sich Saudi-Arabien direkt bedroht fühlt. Es ist ein höchst gefährliches Unterfangen.

Schon hat der Iran, der die Houthis - wiewohl bislang nur schwach und zögernd - unterstützt, energisch vor Blutvergießen gewarnt und dringend zu Friedensgesprächen aufgerufen. Sollte Riad mehr als einen kurzen, kräftigen Schlag gegen die Rebellen planen, könnte sich Teheran gedrängt fühlen, seine Glaubensbrüder kräftiger als bisher zu unterstützen. Der Region droht ein gefährlicher "Stellvertreterkrieg".

Die chronische Instabilität des Jemen hatte 2012 eine neue Dimension erreicht, als es den im Norden lebenden, kampferprobten Houthis gelang, den von den Golfstaaten unterstützten Präsidenten Saleh zu stürzen und in den sunnitischen Süden vorzudringen. Die Houthis gehören den Zaiditen an, einer Richtung des Schiismus, zu der sich etwa ein Drittel der Bevölkerung bekennt. Sie litt jahrzehntelang unter Diskriminierung durch die Regierung in Sanaa , die auch mehrmals Rebellionen - mit Hilfe der saudischen Luftwaffe - brutal niederschlug.

Die Golfstaaten sehen die Houthis - keineswegs zurecht - als Handlanger des Irans. Die Kontrolle seines südlichen Nachbarn, mit dem es eine 1800 Kilometer lange, kaum zu kontrollierende Grenze teilt, durch diese pro-iranischen Schiiten, erscheint Riad als Alptraum. Denn dann fühlte sich das Königreich eingekreist durch Verbündete seines Erzrivalen im Irak, Syrien und Jemen.

Riads Militäroffensive aber birgt enorme Gefahren. Schläge aus der Luft werden die Houthis nicht besiegen. Zudem riskieren die Saudis nun zivile Opfer in großer Zahl, die viele, auch jetzt noch nicht mit Al Qaida oder IS sympathisierende Jemeniten in deren Arme treiben dürften. Das sich durch den Krieg ausweitende Chaos wird diesen Terroristen ohnedies einen willkommenen neuen Freiraum verschaffen.

Entscheidet sich Saudi-Arabien, mit Bodentruppen die Houthis zurück in den Norden zu jagen, steht ein langer, verlustreicher und keineswegs siegessicherer Kampf bevor. Denn den Houthis ist der Jemen mit seinen weiten Wüstengebieten und den bis zu 3000 Meter hohen Bergen vertraut, den Saudis nicht. Je länger der Kampf andauert, desto mehr droht er die ganze Region in eine blutige Katastrophe zu reißen, deren Ende nicht absehen ist.