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Königliche Zukunft

Wie eigenartig eine Monarchie ist, führen uns einmal mehr die Windsors vor Augen. Angesichts der kollektiven Ekstase um den royalen Nachwuchs in London könnte man meinen, hier sei Großbritanniens erster Pandabär zur Welt gekommen. Von Hendrik Bebber

Dabei dreht sich die ganze Aufregung um einen noch namenlosen Jungen .

Gut, er ist kein x-beliebiger Säugling - irgendwann wird der kleine Windsor der 43. Nachfolger von Wilhelm dem Eroberer sein, der 1066 den englischen Thron bestieg. Dabei schien es noch während des Ehekriegs seiner Großeltern Charles und Diana sehr fraglich, ob das britische Königreich überhaupt Bestand haben wird. Der oft zitierte "Mythos der Monarchie" zerbrach durch Telefon-Spionage, allgegenwärtige Teleobjektive und die verzweifelten Fernseh-Interviews des Thronfolger-Paares. Seit Diana dienen Märchenkitsch und Medienrummel als Parameter der britischen Monarchie. Doch durch das Melodram ihrer Ehe wurde die königliche Familie und damit auch die Institution, die sie verkörpert, als erbarmungswürdig empfunden.

Für das Königshaus zog eine existenzielle Gefahr herauf, wie sie der Verfassungsrechtler Walter Bagehot bereits im 19. Jahrhundert umrissen hatte. Es gebe gute Argumente für eine glanzvolle Monarchie und auch dafür, keine Monarchie zu haben, stellte er fest. "Aber es gibt keinerlei Argument für eine ordinäre Monarchie." Den verlorenen Boden machten die Windsors im vergangenen Jahrzehnt wieder gut. Mit Finanzreformen und ihren Jubiläumsfeiern festigte die Queen das Ansehen ihres Hauses und die Zuneigung ihrer Untertanen. Entscheidende Unterstützung kam dabei von ihrem Enkel Prinz William und dessen Ehefrau Kate. Deren Hochzeit und nun die Ankunft des royalen Babys polieren den Glanz der Monarchie auf und bieten Gewähr für ihr Überleben bis ins nächste Jahrhundert hinein.

Prinz William hat in bewundernswerter Weise die Bedeutung seiner offiziellen Rolle mit seinem Privatleben in Einklang gebracht. Die Geburt seines ersten Kindes, für jede Familie ein höchst intimes Ereignis, war der große Test für die scheinbare Unvereinbarkeit von Privatsphäre und öffentlichem Interesse. Und auch wenn die Art, wie er neugierige Journalisten mit dürren Verlautbarungen abspeiste, wie eine späte Rache für die mediale Jagd auf seine Mutter wirken mag: Williams Strategie, dem Affen nur dosiert Zucker zu geben, kann seinem Sohn nur nützen. Damit der kleine Prinz eine möglichst ungestörte Kindheit hat. Wie sein Großvater und sein Vater wird der Sprössling eines Tages durch "Gottes Gnade" herrschen. Und wenn man den PR-Wert der Windsors und ihre verfassungsmäßige Rolle nüchtern betrachtet, dann fahren die Briten mit ihrer Monarchie gar nicht schlecht. Etwas Besseres wird ihnen jedenfalls so schnell nicht einfallen.