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Geschichte
König Fritz und die Äpfel aus der Erde

Max liebt Pommes mit Ketchup und Mayo. Sein Freund Felix behauptet sogar, das sei ein gesundes Essen. Aber kann das wirklich sein? Von Elke Bräunling

Max wettete für sein Leben gern. Meistens gewann er seine Wetten sogar. Dieses Mal aber hatte er Pech gehabt. Die Wette, dass es heute keinen Rechentest geben würde, hatte er doch glatt verloren. Max war sauer. Wegen des Rechentests und wegen der verlorenen Wette. Nun musste er Felix eine Portion Pommes mit Ketchup und Mayo spendieren.


Gleich nach der Schule gingen die Freunde zur Würstchenbude, wo es die besten Fritten auf der ganzen Welt gab. Und weil Max nichts lieber aß als Pommes mit Ketchup und Mayo, war er nicht lange böse auf die verlorene Wette. Er tauchte seine Fritten in die Soße und malte ein weißes Mayo-Grinsegesicht in den roten Ketchupklecks.

„Das ist total ungesund“, sagte er und biss in eine Fritte. „Sagen meine Eltern.“ Felix seufzte. „Das sagen meine auch. Dabei sind Fritten supergesund.“ Max horchte auf. „Wie das?“ Felix erklärte: „Ist doch ganz einfach. Weil es die Äpfel vom König Fritz sind.“ Max musste lachen. „Du spinnst. Was für ein König und was für Äpfel?“



„Echt wahr“, wehrte sich Felix. „Das habe ich in einem Film gesehen. Dieser König Fritz, das ist der Friedrich von Preußen, hat vor mehr als 200 Jahren den Bauern befohlen, für ihn die Pommes zu ernten. Weil sie so gesund sind. Das Wort ‚Pommes‘ ist nämlich französisch und heißt Äpfel.“ Max war begeistert. „Äpfel, sagt mein Vater immer, sind supergesund.“ Felix nickte. „Pommes sind nichts anderes als die Äpfel vom König Fritz und wenn meine Eltern noch mal darüber meckern, werde ich ihnen das ganz genau erklären.“ Er schüttelte den Kopf. „Komisch, dass sie das nicht längst wissen. Erwachsene sind doch immer so klug, glauben sie.“

Pappsatt und zufrieden kam Max später nach Hause. Papa hatte gekocht: Pellkartoffeln mit Kräuterquark und Radieschensalat. „Wäh.“ Max verzog das Gesicht. „Findest du?“ Papa tunkte eine Kartoffel in den Quarkbrei. „Schmeckt lecker. Und gesund ist es auch.“ Max aber hatte keinen Appetit auf Papas gesundes Essen. „Kartoffeln sind doof“, maulte er. Er schob den Teller zur Seite. „Und überhaupt hab ich gar keinen Hunger. Schon gar nicht auf so ein langweiliges Zeugs. Pommes mit Ketchup und Mayo schmecken viel besser. Und gesünder sind die auch.“

Erstaunt blickte Papa auf. „Wer sagt das?“ – „Du. Äpfel sind mächtig gesund, sagst du immer. Und Pommes sind Äpfel, weil ‚Pommes’ auf Französisch ‚Äpfel‘ heißen. So hat sie König Fritz dann auch genannt. Ganz einfach.“ Papa musste lachen. „Stimmt“, sagte er. „Erdäpfel sind ähnlich vitaminreich wie Äpfel.“ Max war zufrieden. Wieso aber hatte Papa ‚Erdäpfel‘ gesagt? Papa grinste noch mehr. „Dann“, sagte er, „kannst du ja nun deine Pellkartoffeln mit Genuss aufessen. Kartoffeln sind nämlich Erdäpfel. Weil sie so gesund sind, hat man sie mit Äpfeln verglichen und ‚Pommes de Terre‘, also ‚Äpfel der Erde‘, genannt. Und Pommes sind nicht anderes als in Fett frittierte Kartoffelstäbchen. 

Max war sauer. Da hatte ihm Felix aber einen gemeinen Bären aufgebunden. „Na warte!“, murmelte er. „Das riecht nach Rache.“ Max beschloss, sich eine neue, aufregende Wette für Felix zu überlegen. Und die würde er ganz bestimmt gewinnen!