Knapp und gut: Ein Blick auf die Kurzfilme

Knapp und gut: Ein Blick auf die Kurzfilme

Zwei Sportsfreunde haben sich für die Weltmeisterschaft im Rudern qualifiziert - nun trainieren sie eisern, doch einer der beiden verliert in seinem "Siegeshunger" den Blick für die Realität. Der zwölfminütige Film von Chiara Grabmayr (Regie, Buch und auch Schnitt) ist ein Musterbeispiel für knappes, okönomisches Erzählen

Zwei Sportsfreunde haben sich für die Weltmeisterschaft im Rudern qualifiziert - nun trainieren sie eisern, doch einer der beiden verliert in seinem "Siegeshunger" den Blick für die Realität. Der zwölfminütige Film von Chiara Grabmayr (Regie, Buch und auch Schnitt) ist ein Musterbeispiel für knappes, okönomisches Erzählen. In schwarzweißen Breitwandbildern erzählt sie von Ambition, Vertrauensbruch und dem Ende einer Freundschaft - mit keiner Szene und keinem Satz zuviel, hier zählt jede Geste.Drastisch und rätselhaft ist der Film "Gasp" von Eicke Bettinga, der wie eine viertelstündige Studie in Zurückgezogenheit und Beklemmung wirkt - ein Jugendlicher scheint nicht herauszukommen aus seiner (Panzer-)Haut; die seelisch angeschlagene Mutter setzt ihm zu, die über ihm im Wald rauschenden Birkengipfel scheinen das einzige Symbol für Weite und Ruhe. So könnte man den eigenwilligen Film interpretieren - oder auch ganz anders, denn er geht mit seiner Bedeutung nicht hausieren, packt durch Darsteller und ausgesuchte Bilder dennoch. tok

Beide Filme laufen im Kurzfilmprogramm 1 des Wettbewerbs, jeweils im Cinestar: Heute 16.30, Freitag 13.30 und am Sonntag um 16.15 Uhr.

Die Beschneidung von Jungen ist ein Erregethema, das Kölner Beschneidungsurteil hat hitzige Debatten ausgelöst. In "Meine Beschneidung" (15 Minuten) erzählt der Hamburger Arne Ahrens von dem jungen Ümit. Der ist in Deutschland geboren und aufgewachsen und fährt jetzt in den Sommerferien mit seiner Familie in die Türkei zu seiner Beschneidung. Einfühlsam und mit Humor stellt Ahrens das Thema Integration auf den Kopf: Ein Deutschtürke erlebt in der Heimat seiner Eltern einen Kulturschock. Originell.

Wie man ein schweres Thema - zerrüttete Ehe, allein gelassenen Kinder - glaubwürdig, spannend und stilistisch originell aufbereiten kann, das zeigt Mariejosephin Schneider mit "Das Geschenk" (12 Minuten). Der kleine Tommi hat sich in die Welt der Indianer zurückgezogen, um die Streitereien seiner Eltern ertragen zu können. Und so geht es vom Küchentisch direkt in die Welt des Wilden Westens - zu dem Apachenhäuptling und seinem weißen Bruder. Stark. tr

Beide Filme laufen im Kurzfilmprogramm 3: Heute 17.30, Samstag 9.30 und Sonntag 13 Uhr im Cinestar.

Von einer Wohnung, die nicht gerne allein ist, erzählt der Wiener Dominik Hartl in "Spitzendeckchen" (26 Minuten). Die junge Anna mietet in Wien eine Altbauwohnung und macht sich sogleich ans Streichen und Tapezieren. Doch kaum ist sie fertig, sieht alles wieder wie zuvor aus. Die Wohnung scheint ein Eigenleben zu führen - und Anna verändert sich rasant. Ein origineller, skuriller Film mit schwarzem Humor und Horror-Einlagen - typisch wienerisch. tr

Heute 13 Uhr, Cinestar; Freitag, 10 Uhr, Filmhaus; Sonntag, 19.30 Uhr, Cinestar.

max-ophuels-preis.de