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Leserbrief Russland
Klima planmäßig verschlechtert

Theresa May, Premierministerin Großbritanniens, beschuldigt Russland im Fall des Giftanschlags auf Sergej Skripal und dessen Tochter.
Theresa May, Premierministerin Großbritanniens, beschuldigt Russland im Fall des Giftanschlags auf Sergej Skripal und dessen Tochter. FOTO: Kirsty O'connor / dpa
Vermutungen und Verdächtigungen werden als Tatsachen präsentiert. Beweise gibt es nicht, was sogar unser vielfach belasteter Regierungssprecher zugeben musste. Die zuständige Behörde der UN, die OPNC, wurde zunächst nicht informiert. Vor den Ergebnissen  von deren zwischenzeitlicher Arbeit hat man von Nato und EU schnell noch Sanktionen beschlossen, um die Situation zu eskalieren. Dazu stellt der SZ-Kommentator Stefan Vetter die Fakten geradezu auf den Kopf, wenn er behauptet, dass sich Russland nicht an der Klärung beteiligen wolle. Sofort nach dem Tod Skripals und der Schuldzuweisung hat man um eine Probe des Giftes gebeten, um bei der Analyse zu helfen. Dieser Bitte hat Großbritannien aber nicht entsprochen. Das konnte man in einigen Medien frühzeitig lesen, bevor sich die SZ überhaupt mit dem Fall beschäftigt hat. Darüberhinaus widerspricht die Ermordung jeglicher Logik: Skripal hat als verurteilter Doppelagent im Gefängnis gesessen. Warum hätte man ihn nach seiner Entlassung so auffällig ermorden sollen, wenn man ihn im Gefängnis hätte unauffällig umbringen können? Meines Erachtens geht es bei dieser Affäre vor allem um eine planmäßige Verschlechterung des politischen Klimas auf Kosten eines Ex-Agenten, der nicht mehr gebraucht wird.