Klein, aber gebildet

Bildung wird im Saarland groß-geschrieben. Und das in mehr als nur einem Bereich. Neben der Nähe zur französischen Sprache ist das kleine Land unter anderem auch Vorreiter in den Bereichen Informatik und Sport. Seit einigen Jahrzehnten wird fleißig gelehrt und geforscht. Und weitere Zukunftspläne wurden auch schon gemacht.

  Die Zentrale der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) liegt im Saarbrücker Stadtwald, auf dem Gelände der Hermann-Neuberger-Sportschule.  Foto: DHfPG

Die Zentrale der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) liegt im Saarbrücker Stadtwald, auf dem Gelände der Hermann-Neuberger-Sportschule. Foto: DHfPG

Foto: Rudolf Warda

Das Saarland ist Brücke zwischen Deutschland und Frankreich.“ So heißt es im Eckpunktepapier der saarländischen Landesregierung zur sogenannten Frankreichstrategie. Innerhalb einer Generation – bis 2043 – soll das Saarland so zweisprachig werden wie Luxemburg. Essenziell dafür ist ein guter Französischunterricht in den saarländischen Bildungseinrichtungen. Bereits heute gibt es einige deutsch-französische Kindergärten und Schulen, in denen die Kinder von klein auf mit der Sprache in Berührung kommen. Und auch an „normalen“ Grundschulen und Gymnasien zählt Französisch zum Pflichtprogramm.

Die Frankreichstrategie ist allerdings nicht nur auf Bildung und Sprache begrenzt. Auf institutioneller, wirtschaftlicher und touristischer Ebene sollen beide Länder ebenfalls näher zusammenrücken. „Das Saarland ist auch Tor nach Frankreich.“ Innerhalb Deutschlands soll es sich „als Mittler und ,Türöffner‘ nach Frankreich profilieren“, so die damalige Landesregierung unter Annegret Kramp-Karrenbauer.

Die Universität des Saarlandes macht da schon einen großen Schritt in die richtige Richtung. Als Teil der Universität der Großregion ist sie mit den Hochschulen in Lothringen, Luxemburg, Lüttich, Kaiserslautern und Trier verbunden. Dieser einzigartige Hochschulbund ermöglicht es, grenzüberschreitend zu studieren und zu forschen. Nirgendwo sonst in Europa ist es möglich, die Angebote von sechs unterschiedlichen Universitäten in vier verschiedenen Ländern wahrzunehmen. Durch einen Mobilitätsfonds können die anfallenden Reisekosten zurückerstattet werden. So ist es kein Problem, etwa in Saarbrücken zu wohnen, eine Vorlesung in Nancy zu besuchen und einem Seminar in Luxemburg beizuwohnen.

Beim Thema künstliche Intelligenz denken die meisten wohl eher an das kalifornische Silicon Valley als an das beschauliche Saarbrücken. Dennoch befindet sich an der Universität des Saarlandes mit dem Deutschen Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) eines der Weltzentren für die Forschung in diesem Bereich. Der führende deutsche Wissenschaftler, Wolfgang Wahlster, hält den Lehrstuhl für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken. In einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT im Juli dieses Jahres berichtete er: „Aus unserem Institut sind 80 deutsche Unternehmen hervorgegangen. Wir haben mehrere Hundert Projekte mit der deutschen Industrie verwirklicht, und in vielen Produkten steckt unsere KI-Software. Nur reden wir darüber nicht so laut wie die Amerikaner.“

Obwohl sie allen Grund dazu hätten. Alleine die Infrastruktur der Saarbrücker Informatik kann sich sehen lassen. Neben dem DFKI befinden sich auf dem Campus der UdS unter anderem zwei Max-Planck-Institute und das 2017 eröffnete Helmholtz Zentrum für Informationssicherheit (CISPA). Darüber hinaus kommen jedes Jahr rund 2500 ausgewählte internationale Wissenschaftler und Industrievertreter im Leibniz-Zentrum für Informatik auf Schloss Dagstuhl im nördlichen Saarland zusammen.

Doch auch in den sogenannten „kleinen Fächern“ ist das Saarland gut vertreten. Bedingung, um als „kleines Fach“ zu gelten, sind maximal drei unbefristete Professuren an der Hochschule. An der Saarbrücker Uni trifft das auf insgesamt sieben Fachbereiche zu. Drei davon – Computerlinguistik, Phonetik und Übersetzungswissenschaft – bilden die gemeinsame Fachrichtung „Sprachwissenschaft und Sprachtechnologie“. Diese arbeitet eng mit der Saarbrücker Informatik zusammen und ist in allen drei Bereichen mit führend in Europa. So war Saarbrücken etwa Ausrichtungsort für den Weltphonetikerkongress (ICPhS) 2007, der sonst in Städten wie San Francisco oder Hong Kong stattfindet.

In einem weiteren und doch ganz anderen Feld der Forschung und Lehre braucht sich das Saarland ebenfalls nicht zu verstecken: dem Sport. Der Olympiastützpunkt Saarbrücken lockt bereits seit geraumer Zeit Spitzensportler aus allen Disziplinen ins Saarland. Und auch die Kooperation zwischen Sportschule und Sportwissenschaftlichem Institut der Universität funktioniert einwandfrei. So wurde der Fachbereich in diesem Jahr im Ranking des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) mit der Bestnote im Bereich Sportstätten ausgezeichnet.

Alternativ zum klassischen Universitätsstudium sorgt auch die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) für beste Voraussetzungen saarländischer Studierender. Die private Hochschule bietet duale Studiengänge in Bereichen wie Fitnessökonomie, Gesundheitsmanagement und Ernährungsberatung an. Nur die Hälfte des Studiums findet dabei an der Hochschule selbst statt. Im praktischen Teil arbeiten die Studierenden in Betrieben wie Fitnessstudios oder Sportvereinen und können das Gelernte sofort in die Tat umsetzen. Auch die Studienkosten übernimmt der Betrieb. Obwohl die DHfPG an insgesamt elf Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz lehrt, befindet sich die Zentrale nach wie vor in Saarbrücken.

Egal in welchem Bereich, in Sachen Forschung und Bildung braucht sich das Saarland sowohl im bundesweiten als auch im internationalen Vergleich nicht zu verstecken. mtr

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