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Saarbrücken
Kaum Chance auf Entschädigung bei Busausfall

Die App zeigt viele Busausfälle. Das ärgert Kunden.
Die App zeigt viele Busausfälle. Das ärgert Kunden.
Saarbrücken. Seit Monaten hagelt es wegen unzuverlässiger Busverbindungen im Großraum Saarbrücken harsche Kritik. Ein Notfahrplan soll helfen.

Ob auf dem Weg zur Arbeit oder zur Schule, ob am Abend wieder zurück nach Hause oder einfach nur zum Einkaufsbummel in die City: Die Fahrt mit dem Bus nach oder von Saarbrücken nehmen viele Kunden seit Monaten wie ein Vabanquespiel wahr. So blicken einige gebannt auf die elektronische Anzeige an der Haltestelle, ob der Bus überhaupt noch vorgesehen ist. Andere nutzen die Handy-App als Fahrplanauskunft und warten bang darauf, ob die Angaben zutreffen, der Bus tatsächlich eintrudelt.


Bei der Saarbahn hagelt es Proteste über ausgefallene Verbindungen noch und nöcher. Von Verspätungen ist schon längst nicht mehr die Rede. Und das schon seit Monaten. Jetzt scheint das Unternehmen die Reßleine zu ziehen, tüftelt an einem ausgedünnten Fahrplan. Unternehmenssprecherin Ulrike Reimann: „Lieber bieten wir auf einer Strecke drei statt vier Verbindungen pro Stunde an, die sind dann aber zuverlässig.“ Welche Linien davon betroffen sein werden, stehe noch nicht fest. Zurzeit arbeiteten Experten daran. Wann der „reduzierte Fahrplan“, wie ihn Reimann nennt, in Kraft tritt, ist offen. Denn es bedürfe der Abstimmung zwischen Anbindungen und Taktungen, auch was Anschlüsse zur Saarbahn selbst betrifft. Das alles sei sehr komplex und brauche Zeit.

Unterdessen reißt der Geduldsfaden insbesondere bei Abo-Kunden mit Jahreskarte, die durchaus mehrere 100 Euro kostet. Sie fragen sich, warum sie finanziell für eine Leistung in Vorlage treten, die dann nicht erbracht wird. Ähnlich sieht es Sabine Strichertz, Beraterin bei der saarländischen Verbraucherzentrale. Bei ihr liefen seit Wochen viele Anfragen wegen ausbleibender Busse auf. Rechtlich sei das Ganze recht schwierig. Ein Kunde mit Jahreskarte könne zwar sein Ticket zurückgeben, sagt sie. Denn es handle sich um einen seitens der Saarbahn nicht erfüllten Vertrag. Wer also jetzt sein Jahresticket mit Verweis darauf zurückgibt, erhalte für den noch gültigen Zeitraum die entsprechende Teilsumme zurück. Nur: „Welche Alternative im öffentlichen Personennahverkehr hat dann der Kunde, wenn er dem Monopolisten Saarbahn seine Jahreskarte überlässt?“



Schwieriger sehe es bei Tages-, Wochen- und Monatsscheinen aus. Hier gebe es lediglich Kulanzregelungen. Ein gesetzlicher Anspruch, Geld für ausgefallene Fahrten zu bekommen, bestehe nicht.

Die Saarbahn bietet dazu ein Antragsformular. Dies ist an eine Reihe von Voraussetzungen geknüpft: So müsse mindestens 30 Minuten an der Haltestelle keine Alternativverbindungen vorhanden sein. Strichertz: „Aber wer bleibt schon 30 Minuten stehen, wenn er zur Arbeit muss?“ Dann soll er den Schein einschicken und eine Reihe Fragen schriftlich beantworten. „Diesen Einsatz für einen relativ geringen Betrag scheuen aber die meisten“, sagt die Juristin. „Die wollen alles wissen bis zum Uratom.“

Zuletzt hatte die Zuverlässigkeit nach Unternehmensangaben wieder stark gelitten. So seien seit Monatsanfang bis zum Stichtag 23. August 1800 Busfahrten ausgefallen. Das entspreche einer Quote von 3, 9 Prozent, berichtet Reimann. Im Juli lag diese nach Angaben der Statistiker noch bei 2,4 Prozent. Von den Ausfällen seien auch Schulbusse betroffen gewesen. Zum Vergleich: Pro Monat biete Saarbahn 60 000 Busfahrten an.

Mit 24 zusätzlichen Fahrern, die im September ihre Arbeit beginnen sollen, will die Saarbahn-GmbH der massiven Ausfallrate gegensteuern. Einige der neuen Mitarbeiter stammten aus dem benachbarten Frankreich. In Luxemburg schaue sich der städtische Betrieb ebenfalls um.

Kritik am Notfahrplan üben die Bündnisgrünen im Stadtrat. Sie rügen, dass die Ausfälle Ergebnis einer unvernünftigen Personalplanung seien. Der verkehrspolitische Sprecher Torsten Reif lässt deshalb nicht gelten, dass die Saarbahn mit Personalmangel und hoher Krankheitsquote argumentiert. Das Unternehmen müsse „seinem Beförderungsauftrag künftig angemessen nachkommen“.

Den Fahrplan für eine Übergangszeit auszudünnen, sei „ein schmerzhafter, aber gangbarer Weg“, wertet indes Philipp Schneider (SPD). Damit gehe Saarbrücken ähnlich vor wie Leipzig und Potsdam mit gleichen Problemen, „um einen funktionierenden Betrieb wieder herzustellen“. Gleichzeitig müssten „die Anstrengungen zur Rekrutierung und Ausblidung ausreichenden Fahrpersonals weiter verstärkt werden“, sagt Schneider, der auch Vize-Vorsitzender des Saarbahn-Aufsichtsrats ist.

Anträge, bei Busausfällen- und -verspätungen Fahrpreis erstattet zu bekommen, im Service-Center im Nauwieser Viertel und im Internet.

Nach monatelangem Kundenärger: Saarbahn dünnt den Fahrplan aus, um die Zuverläsigkeit zu erhöhen.
Nach monatelangem Kundenärger: Saarbahn dünnt den Fahrplan aus, um die Zuverläsigkeit zu erhöhen.