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Karlsberg ist nach WM zufrieden

Karlsberg-Chef Christian Weber zog gestern eine positive Geschäftsbilanz. Foto: Becker & Bredel
Karlsberg-Chef Christian Weber zog gestern eine positive Geschäftsbilanz. Foto: Becker & Bredel FOTO: Becker & Bredel
Homburg. 15 Prozent Zuwachs beim Umsatz, 27 Prozent Steigerung beim Jahresgewinn – die Karlsberg-Brauerei blickt auf ein erfolgreiches Jahr 2014 zurück. Vor allem international konnte das Unternehmen zulegen. Joachim Wollschläger

Ob ein Produkt Erfolg haben werde, könne man nach dem ersten Jahr schlecht sagen, sagte Karlsberg-Chef Christian Weber gestern bei der Bilanzpressekonferenz. Erst über Jahre zeige sich, ob Neuheiten sich auch langfristig durchsetzen können. Und doch kann Karlsberg für seine Neuheiten beeindruckende Zahlen vorlegen: Zwei Millionen Flaschen konnte die Homburger Brauerei von ihrem neuen Produkt Gründels Radler im ersten Jahr absetzen. Ebenso viele Dosen der neuen Beer-Cocktails hat Karlsberg verkaufen könne n.

Auch sie haben zu dem Umsatzplus der Karlsberg Brauerei GmbH im vergangenen Jahr beigetragen: Um 15 Prozent ist der Umsatz auf 171 Millionen Euro gestiegen. Das operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich um 25 Prozent auf 8,06 Millionen Euro . Unter dem Strich blieb ein Jahresüberschuss von 3,61 Millionen Euro - ein Plus von 27 Prozent. Wachstumsfördernd dürfte auch die Fußballweltmeisterschaft im vergangenen Jahr gewesen sein. WM-Jahre gelten als gute Bier-Jahre.

Vor allem international konnte Karlsberg zulegen. Während der Umsatz in Deutschland um 5,5 Prozent gestiegen ist, legte er in Frankreich um 25,5 Prozent und im übrigen Ausland, vor allem in Asien, sogar um 29,7 Prozent zu. Und das bereits auf hohem Niveau. Während Deutschland mit 52 Prozent des Umsatzes noch den Kernmarkt der Brauerei ausmacht, setzt das Unternehmen in Frankreich bereits knapp ein Viertel (22 Prozent) und im Rest der Welt etwas mehr als ein Viertel (26 Prozent) ab. In Frankreich gab es allerdings einen Sondereffekt, weil 2013 wegen einer neu eingeführten Biersteuer der Bier-Absatz stark zurückgegangen war.

Besonders stolz zeigte sich Christian Weber aber auch auf den Erfolg der Kernmarke Ur-Pils im heimatlichen Saarland. Im Kampf gegen die konkurrierende Marke Bitburger habe Ur-Pils wieder die Führung erlangt. Hierzulande liegt die Karlsberg-Stammmarke mit 40,5 Prozent Marktanteil knapp vor der Konkurrenz aus Bitburg mit 39,7 Prozent.

Bereits jetzt mache man sich über die Refinanzierung der 30-Millionen-Euro-Anleihe Gedanken, die der Konzern vor zweieinhalb Jahren ausgegeben hat und die Ende 2017 ausläuft, sagte Finanzchef Ralph Breuling: "Weil Mittelstandsanleihen aktuell ein schlechtes Image bekommen haben, denken wir auch über alternative Finanzierungsformen nach." Trotzdem bleibe die Ausgabe einer neuen Anleihe im Fokus.

Unter Druck bringen das Unternehmen seine hohen Pensionsverpflichtungen in Kombination mit dem Niedrigzins. Knapp 33 Millionen Euro hat Karlsberg für die Altersvorsorgung zurückgestellt. Wegen der niedrigen Verzinsung musste das Unternehmen im vergangenen Jahr weitere 1,4 Millionen Euro zuführen.

Für das laufende Jahr ist Karlsberg weniger optimistisch: Umsatzsprünge wie 2014 seien nicht zu erwarten, sagte Breuling. Trotzdem will die Brauerei weiter investieren: 40 Millionen Euro sollen bis 2017 in die technische Modernisierung und den Ausbau der Wachstumssegmente fließen.


Meinung:

Positive Zeichen

Von SZ-RedakteurJoachim Wollschläger

Karlsberg-Chef Christian Weber scheint den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Nicht nur im zurückliegenden WM-Jahr, auch im Jahr 2013 konnte das Unternehmen den Gewinn deutlich steigern. Die Strategie, den internationalen Markt auszuweiten und in Deutschland auf neue Produkte zu setzen, scheint sich auszuzahlen.

Ob auch die Anleger die Entwicklung so positiv beurteilen, wird sich 2017 zeigen. Dann muss das Unternehmen die 30-Millionen-Euro-Anleihe und damit einen Großteil des Fremdkapitals refinanzieren. Der Erfolg wird auch davon abhängen, ob es Karlsberg gelingt, seinen Gewinn weiter zu steigern und damit den positiven Trend zu stabilisieren.