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Kanzlerin trifft sich mit den Milchbäuerinnen

Berlin. Knapp zwei Stunden nahm sich Angela Merkel gestern Zeit, um sich im Kanzleramt die Sorgen der Milchbäuerinnen anzuhören. Sie habe das Problem "zur Chefsache" gemacht, sagten die Frauen danach zufrieden. Aus gutem Grund hat sie das getan: Die Kanzlerin hat gemerkt, dass der massive Ärger der Bauern im Superwahljahr 2009 zur Gefahr für die Union wird Von SZ-Korrespondent Hagen Strauß

Berlin. Knapp zwei Stunden nahm sich Angela Merkel gestern Zeit, um sich im Kanzleramt die Sorgen der Milchbäuerinnen anzuhören. Sie habe das Problem "zur Chefsache" gemacht, sagten die Frauen danach zufrieden. Aus gutem Grund hat sie das getan: Die Kanzlerin hat gemerkt, dass der massive Ärger der Bauern im Superwahljahr 2009 zur Gefahr für die Union wird. Bislang zählten die Landwirte zu den treuesten Wählern von CDU und CSU - was aber nicht so bleiben muss: Zehntausende haben inzwischen Existenzängste angesichts des Verfalls der Erzeugerpreise, insbesondere bei der Milch. Hinzu kommt die Wut auf Brüssel wegen der wachsenden, bürokratischen Auflagen. Die Stimmung könnte dazu führen, dass massenhaft Stammwähler der Union die Gefolgschaft versagen. Hinzu kommt: Im Kampf für höhere Preise geht durch die organisierte Bauernschaft ein tiefer Riss. Die einen fühlen sich von den anderen nicht mehr vertreten, Große gegen Kleine. Der Bauernverband als mächtigste Lobbygruppe hatte vor allem auf Entlastungen beim Agrardiesel gesetzt, die besonders den großen Betrieben hilft. Der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) sieht darin für seine kleinen Höfe kaum einen Nutzen. Und während der Bauernverband für eine Abschaffung der Milchquote ist, fordert der BDM, die Milchmenge zu reduzieren. Insider beklagen inzwischen die vielen "persönlichen Scharmützel und verbandspolitischen Spielereien". Und mittendrin die Klientelpartei Union.Merkel und die CDU fühlen sich vor allem dem Bauernverband verpflichtet, der über Jahrzehnte die Agrarpolitik der Konservativen bestimmt hat. Deshalb zeigte sie bislang auch kein übermäßiges Interesse am Schicksal der Milchbäuerinnen des BDM. Das aber hat Merkel viel Ärger mit der CSU eingebracht - denn gerade in Bayern droht vielen kleinen Höfen der Ruin, die sich schon lange nicht mehr vom Bauernverband vertreten sehen. Die Frage, welche Art der Landwirtschaftspolitik die Union künftig betreiben wird und für wen, ist somit heftig umstritten.