Kammerchor Saarbrücken: Der Seele Brausetabletten

Kammerchor Saarbrücken: Der Seele Brausetabletten

Saarbrücken. Das Requiem "Officium defunctorum" von Tomas Luis de Victoria (1548-1611), das der Kammerchor Saarbrücken unter Leitung von Georg Grün am Sonntag in der Daarler Stiftskirche bot, geht unter die Haut. Zu hören war A-cappella-Gesang der spanischen Renaissance von bezwingendem spirituellen Zugriff

Saarbrücken. Das Requiem "Officium defunctorum" von Tomas Luis de Victoria (1548-1611), das der Kammerchor Saarbrücken unter Leitung von Georg Grün am Sonntag in der Daarler Stiftskirche bot, geht unter die Haut. Zu hören war A-cappella-Gesang der spanischen Renaissance von bezwingendem spirituellen Zugriff. Musik, die wie ein elektrischer Generator den Hörer in ihr Kraftfeld einschließt. Die Geborgenheit allerdings, die vor 500 Jahren der Mensch im religiösen Glauben fand, ist heute fast unvorstellbar. Wie sich also einer Klangwelt nähern, deren liturgische Funktion mittlerweile ausgehebelt ist? Die Rezeption Alter Musik befindet sich in einer tiefen Krise. Die Gefahr, im klanglichen Devotionalienhandel zu verebben, lauert überall. Kunst nur noch als schöner Schein. Die Kirche als Konzertsaal: Ihre sakrale Funktion wird zur Nebensache. Das Schönste am Gesang des 1990 gegründeten Kammerchors ist seine fast makellose Reinheit und natürliche Grazie. Georg Grün hat mit sensiblem Ohr auch feinste dynamische Nuancen seiner Schützlinge im Griff. Das phrasierungsgerechte Pulsieren klappt wie am Schnürchen. Schließt man die Augen und schaut tief in sich hinein, erlebt man die schwebenden Klänge als seelische Brausetabletten. pes

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