Junger Blick auf einen alten Meister

Saarbrücken. Als der belgische Holzschneider und Maler Frans Masereel 1947 an die ehemalige Schule für Kunst und Handwerk nach Saarbrücken kam, lag seine große Zeit mehr als 20 Jahre zurück. Als Vertreter des Expressionismus für seine buchstäblich holzschnittartigen Darstellungen von Arm und Reich, Krieg und Frieden gefeiert, war er längst eher Nachhut denn Avantgarde

 Tuschezeichnung von Frans Masereel (1921). Foto: Stiftung

Tuschezeichnung von Frans Masereel (1921). Foto: Stiftung

Saarbrücken. Als der belgische Holzschneider und Maler Frans Masereel 1947 an die ehemalige Schule für Kunst und Handwerk nach Saarbrücken kam, lag seine große Zeit mehr als 20 Jahre zurück. Als Vertreter des Expressionismus für seine buchstäblich holzschnittartigen Darstellungen von Arm und Reich, Krieg und Frieden gefeiert, war er längst eher Nachhut denn Avantgarde.Dass Masereels Werk aber auch heute noch relevant ist, zeigt nun eine Ausstellung an der Saarbrücker Uni. Die Lehrstühle der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft und der Kunstgeschichte haben in Zusammenarbeit mit der Universitäts- und Landesbibliothek sowie der Frans-Masereel-Stiftung Saarbrücken eine Masereel-Schau erarbeitet, die im Foyer der Universitätsbibliothek gezeigt wird. Begleitend findet eine neunteilige Ringvorlesung "Frans Masereel - In Bildern erzählen" statt.

Die Studierenden arbeiteten die für Masereel typischen Themenfelder Liebe, Krieg, Gewalt, Totentanz, Stadt sowie das Text, Musik und Drama verbindende Gesamtkunstwerk "Jemand", vorzugsweise aus den Arbeiten der 1920er Jahre heraus. In diesen Illustrationen bewies der 1972 im Alter von 83 Jahren verstorbene Masereel Kraft und Engagement gegen Krieg und Unterdrückung. Impuls für und Gegenstand der Ausstellung sind Masereels Saarbrücker Jahre von 1947 bis 1951. Sie zeigen Masereel als Lehrer und Mitgestalter von Mosaiken an Gebäudefassaden oder als Bühnenbildner für "Die Geschichte vom Soldaten" anhand von der in Saarbrücken ansässigen Frans-Masereel-Stiftung zur Verfügung gestellten Fotografien, Druckstöcken, Skizzen und Arbeiten auf Papier. Dankenswert auch die bekömmliche Aufbereitung in einer kompakten Ausstellung, die Information groß schreibt, anhand von Drucken und Detailvergrößerungen Masereels Weltsicht als Künstler aufbereitet und mit der Gegenwart verbindet. Denn der Blick einer jungen Generation auf Masereels Schaffen hebt dessen Wirkung auf die Graphic Novel unserer Zeit hervor und dreht sein Werk wieder in Richtung Avantgarde. Nebenbei ist die Präsentation eine gute Ergänzung zur Schau "Avantgarde der 50er Jahre" in der Modernen Galerie. sg

Läuft bis 8. Februar. Mo-Fr: 9-22 Uhr. Sa: 9-15 Uhr. Ringvorlesung Frans Masereel bis zum 5. Februar jeweils dienstags von 18 bis 20 Uhr, Gebäude B3 1 im Hörsaal III (0.12). Nächster Termin: 11. 12. (Sikander Singh vom Literaturarchiv Saar-Lor-Lux-Elsass: "Du Weltkraft. Frans Masereel und Stefan Zweig").

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