Junge Choreografen stellen sich vor

Junge Choreografen stellen sich vor

Unter dem Titel „Over the Rainbow“ zeigen Tänzer des Saarbrücker Ballettensembles eigene Choreografien in der Alten Feuerwache. Doch den Drang nach Neuem vermisste man bei der 14. Ausgabe von SubsTanz.

Elf Tanzstücke an einem Abend - mehr Tänzerinnen und Tänzer als sonst drängte es bei der 14. Ausgabe von SubsTanz, sich in der Alten Feuerwache als Nachwuchschoreografen zu versuchen. Nur, wo bleibt der Drang, Neues zu wagen, aus den Bahnen der Vorbilder auszuscheren, jung, frech, verstörend zu sein? Ziemlich brav gab sich die junge Generation diesmal. Ähnlich wie das "Schauspielertheater" choreografierten sie Tanz für Tänzer : Viele schöne, fließende Bewegungen, liebevoll ausgearbeitet im Detail, die den Tänzern erlauben zu zeigen, was sie können. Oft zu Streicherklängen, nicht nur von Vivaldi, gern etwas moderner minimalistisch, von Philip Glass , oder mit Piano von Michael Silverman.

Ob "My Beautiful Dark Twisted Fantasy” von Ramon A. John oder in "Droga" (polnisch für Weg) von Lucyna Zwolinska, dieser Tänzer-Tanz, ein Schmaus für die Augen, fließt dann sehr schön dahin. Doch nicht nur bei diesen beiden Stücken merkte man, dass nach Marguerite Donlons Weggang jemand fehlt, der den Jungen beim choreografischen Konzept auf die Sprünge hilft, der sie an die alte Doris-Humphrey-Regel erinnert, dass die meisten Tänze zu lang sind, und ihnen Mut macht, mit Medien und Formen zu experimentieren. Immerhin einer, Pascale Séraline, greift zu großformatigen Videoprojektionen. "Just Light and Water" zeigt ein Paar mit zwei Kindern, das sich am Strand tummelt, vermutlich in den 70ern. Ein Urlaubsfilm, aus dem Séraline mit großen Karten einzelne Bilder wie fürs Familienalbum "ausschneidet". Doch gerät sein Tanz im Halbdunkel dabei ins Hintertreffen und es fehlt der Stachel, der diese Kindheits-Familienidylle anpikst. Ein reines Tanzvideo wiederum kreierten Lorène Lagarde und Francesco Vecchione mit Rubén Morales Sanchez. Doch in "Amore Napoletano" kommt die Liebe als flaues Kuscheln in Embryonalhaltung in einem klischeehaften Maleratelier daher. Eleonora Pennacchini bezieht in "Shhhhh..." Sprache ein, indem sie eine Tänzerin ein Gedicht über Identität, die mehr ist als die Summe der Teile, ins Mikro sprechen lässt. Doch gelingt es ihr nicht, trotz einiger schöner Sequenzen, mit ihren zwei Tänzerinnen dem Text mehr Kraft zu geben, als er schon hat.

Sehr viel überzeugender ist Youn Hui Jeons "Hommage an Chunhyang", ein koreanisches Liebesepos, neu interpretiert. In Scherenschnitt-Ästhetik hebt es an, mit einem sich zärtlich zugetanen Paar, gefolgt vom weiblichen Treuebruch, der äußerst wild, gleich zwei Männern gilt, bevor die Frau in dem Wahnsinn nahe Reue verfällt. Etwas wirklich anderes, auch ohne Medien, gelingt Bessim Hoti und Hsin-i Huang mit "SomeThink completely different". Ihr Tanz, der zeitgenössische Stile wie Street-Dance mischt, ist jede Minute spannend. Das honorierte das geduldige Publikum an diesem fast dreistündigen Abend mit besonders starkem Applaus.

Nächste Termine: Mittwoch; Samstag; Sonntag, 13.7., und Samstag, 19.7. Karten unter Tel. (06 81) 3 09 24 86.

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