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„Jede Stärke wird irgendwann gefragt“

 Bernhard Schmidt, Chorleiter von Canta Nova, bereitet seine Sänger auf den Deutschen Chorwettbewerb in Weimar vor. Foto: Astrid Karger
Bernhard Schmidt, Chorleiter von Canta Nova, bereitet seine Sänger auf den Deutschen Chorwettbewerb in Weimar vor. Foto: Astrid Karger FOTO: Astrid Karger
Saarbrücken. Zum ersten Mal nahm der Chor Canta Nova Ende November am Saarländischen Chorwettbewerb teil – und gewann sofort den ersten Preis. Dabei hat sich der Chor erst 2000 gegründet und trifft sich nur unregelmäßig zur Probe. Von SZ-MitarbeiterinAstrid Karger

Es war einmal ein Studentenchor, die Studenten wurden zu Musikprofis, manche gingen, andere - auch Jüngere - kamen. Und so ist Canta Nova heute ein bunt gemischter semiprofessioneller Chor. Im Jahre 2000 gegründet, nahm Canta Nova Ende November erstmalig am Saarländischen Chorwettbewerb teil und ging mit dem ersten Preis und der Einladung zum Bundeswettbewerb 2014 in Weimar nach Hause. Examinierte Sänger und gesanglich Ebenbürtige singen, ohne dafür bezahlt zu werden, deshalb halbprofessionell. Wie es klingen soll, weiß Chorleiter Bernhard Schmidt ganz genau. Und auch, wie er dieses Ziel erreichen kann. Er weiß jeden so einzusetzen, dass er "mit dem Material, das er mitbringt, das Beste aus sich rausholen kann".

Sie treffen sich nicht regelmäßig, sondern kommen zu verabredeten Proben zusammen, um sich für anstehende Konzerte vorzubereiten. Drei mal im Jahr je zwei Probenwochenenden, dann ein Konzertwochenende. Die Mitglieder singen auch in anderen Chören, sind familiär und beruflich eingespannt. Ein Projektchor verlangt von allen gute Vorbereitung, die Noten müssen sitzen. Die Detailarbeit in der Probe dient dem angestrebten Klangideal. Im Gesangsunterricht auf Sologesang getrimmt, müssen die Sänger sensibel aufeinander achten, sich mischen, die eigene Stimme zurücknehmen, um dem Gesamtklang zu dienen. Sopran, bei Bedarf auch mal Alt, Claudia Uwak betont, dass der Chorleiter mit den "technischen Tipps, wie man einen bestimmten Ton erzeugen kann", eine Art Extra-Gesangsunterricht gibt. In ihrer Entfaltung gebremst fühlen sich die ambitionierten Sänger nicht, denn "jede Stärke wird irgendwann mal gefragt".

Bernhard Schmidt, Jahrgang 1982, gehört zu der jüngeren Dirigentengeneration, die nicht Interpretenhoheit zelebrieren, sondern das Wissen um historische Aufführungspraxis und musikalische Traditionen nutzen. Canta Nova wollen der Musik auf originelle Weise gerecht werden. Den Aufführungsraum abzuhorchen, die akustischen Möglichkeiten auszuloten - das kann schon mal dazu führen, die Sänger im Raum zu verteilen. Der erzielte "surround sound" verfehlt seine Wirkung nicht.

Canta Nova widmen sich gern zeitgenössischer Chorliteratur. Aber auf eine Epoche festlegen wollen sie sich nicht, es wäre eine "Verarmung", erklärt Chorleiter Schmidt. Jenen Anleihen der Jungen bei den Alten nicht durch eigene Erfahrung nachspüren zu können, würde den Horizont unnötig eingrenzen.