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Interview mit Bochumer Nachwuchs-Model
„Das ist ein Knochenjob“

Elisa Di Fina hat ihren Kindheitstraum wahrgemacht und arbeitet als Model bei einer Kaarster Agentur. Nebenbei studiert die 21-Jährige Management. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie hart die Arbeit als Model wirklich ist. Von Stephan Seeger

1,70 Meter groß, die Maße 81-59-88: Das sind die Eckdaten von Elisa Di Fina, einem international tätigen Model aus dem Ruhrgebiet. Aufgewachsen in Bochum ist sie vor vier Jahren durch Zufall über eine Schulfreundin an die Agentur „Barisic Model Management“ der Kaarsterin Sonja Benzler gekommen, ohne vorher auch nur ein Bild in ihrer Model-Mappe gehabt zu haben. Doch Barisic, die selbst oft vor der Kamera stand und vor allem in Asien erfolgreich als Model gearbeitet hat, erkannte Elisas Potenzial und gab ihr eine Chance - trotz ihrer für Models eher geringen Größe. Mittlerweile hat sich die 21-Jährige einen Namen gemacht und jettet durch die Welt. Im Gespräch gibt Elisa Einblicke in den Job als Model und spricht über die Schwierigkeit, das Modeln mit dem Studium zu verbinden.


Du bist gerade dabei, von deinen Eltern in deine erste eigene Wohnung zu ziehen. Lohnt sich das überhaupt, wenn du ständig unterwegs bist und durch die Welt reist?

Elisa Di Fina Ja, das lohnt sich schon. Ich studiere in Witten, von Bochum aus bin ich in zehn Minuten in meiner Uni. Die Lage ist für mich perfekt. Ich will auch die Zeit, die ich in Deutschland verbringe, zu Hause bei meiner Familie und bei meinem Freund sein. Wenn ich im Ausland unterwegs bin, dann direkt für zwei oder drei Monate. Das geht in den Semesterferien ganz gut.



Für wann planst du deinen nächsten Auslandsaufenthalt?

Di Fina Im Winter sind wieder Semesterferien, da wollte ich schon ganz gerne wieder weg. Ich muss mich aber erst einmal in die Klausuren reinarbeiten. Danach gucke ich, dass ich einen Job im Ausland bekomme.

Wie schaffst du den Spagat zwischen Studium und Model-Karriere?

Di Fina Ich wollte unbedingt etwas haben, worauf ich mich immer verlassen kann. Ich will das Studium schon durchziehen, aber auch weiter modeln. Das ist teilweise sehr hart, doch mit Disziplin geht das. Ich will so lange als Model arbeiten, wie es geht. Ich weiß zwar nicht, wie ich in ein paar Jahren aussehe und ob ich noch gebucht werde, das Geschäft ist sehr hart. Das heißt aber nicht, dass ich das Modeln irgendwann zwangsläufig aufgeben muss.

Musst du in der Uni anwesend sein oder wirst du für deine Jobs freigestellt?

Di Fina Es wird schon von mir erwartet, dass ich bei den Vorlesungen anwesend bin, klar. Während des Semesters bin ich schon sehr viel in der Uni. Um nicht ganz rauszukommen, mache ich während dieser Zeit Testshootings oder etwas mit freien Fotografen für mein Model-Buch. So habe ich dann in den Semesterferien Zeit für längere Auslandsaufenthalte.

Hattest Du Angst davor, dass es dir irgendwann zu viel wird?

Di Fina Ja, schon. Ich habe das letzte Jahr vor meinem Studium eigentlich nichts anderes gemacht als zu modeln. Das hat mir so viel Spaß gemacht. Da hatte ich schon ein bisschen Angst, ob das alles so zusammen funktioniert.

Für wen und wo hast du schon gearbeitet?

Di Fina Ich habe in Singapur für Triumph (eine bekannte Unterwäschefirma, Anm. d. Red.) gearbeitet und bin viele Brautmodenschauen für unterschiedliche Hochzeitsfirmen gelaufen. Zeitweise waren alle U-Bahn-Stationen mit großen Bildern von mir voll. Das war echt super. In Dubai habe ich einen Werbespot für eine Bank gemacht, in Paris für Revlon die Stylemastersshow gelaufen. Und dann war ich noch in Kuwait für eine Designerin. Das war schon cool, von Dubai nach Kuwait zu reisen, weil ich sonst nie dahin gekommen wäre.

Bekommst du denn von der Stadt und der Kultur etwas mit oder fährst du in die Länder, erledigst deinen Job und kommst wieder nach Hause?

Di Fina In Singapur und Dubai war ich ja rund drei Monate. Da habe ich dann ja wirklich gelebt und auch ein bisschen Freizeit gehabt. Wenn ich dann mal keine Castings hatte, konnte ich mir schon die Stadt angucken. Man sieht schon extrem viel von der Welt.

Wie läuft es, wenn deine Agentur einen Auftrag für einen Job erhält? Wirst du dann gezielt angesprochen oder schreibt die Chefin eine Rundmail an alle Models?

Di Fina Meistens ist es so, dass Sonja gezielt auf mich zukommt und mir sagt: Ich hätte da einen Kunden, zu dem könntest du gut passen. Dann muss ich prüfen, ob ich überhaupt Zeit für den Job habe.

Wie anstrengend ist der Job wirklich?

Di Fina Wenn man in Dubai zehn Stunden lang in einer Burka in einer Halle shootet, in der auch noch die Klimaanlage ausgefallen ist, ist das schon ziemlich anstrengend und sehr heiß. Ich habe schon sehr hart dafür gearbeitet, so weit zu kommen. Schon während der Schulzeit habe ich an den Wochenenden viel Zeit dafür aufgewendet, ein gutes Portfolio zu bekommen, ohne dabei Geld zu verdienen. Außerdem macht man viel Sport, muss auf seinen Körper achten und sich gut ernähren. Gerade im Ausland ist es ein Ganztagsjob. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem ich morgens für Triumph gearbeitet habe und abends noch eine Modenschau laufen musste. Der Tag fing um sechs Uhr an und ging bis spät abends. Das ist dann schon hart und anstrengend.

Hast du mal überlegt, dich bei „Germany’s next Topmodel“ zu bewerben?

Di Fina Als ich 14 oder 15 war, wollte ich schon da hin. Aber ich würde heute nicht mal mehr daran denken.

Warum nicht?

Di Fina Meiner Meinung nach ist es nicht realistisch und spiegelt nicht den Model-Alltag wider. Es ist einfach nur eine Show. Das wäre es mir nicht wert.