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In der Tat: Wir verblöden

Die Tiere werden immer klüger und die Menschen immer blöder, das kann man täglich im Fernsehen beobachten. Jeder Sender bringt "Zoogeschichten", in denen Erdmännchen, Schnabeltierfrauen und sogar Kriechtiere als charmante Trickbetrüger ihren Willen durchsetzen, also vor allem leckeres Essen und neue Gehege in besseren Städten als Delmenhorst ergaunern

Die Tiere werden immer klüger und die Menschen immer blöder, das kann man täglich im Fernsehen beobachten. Jeder Sender bringt "Zoogeschichten", in denen Erdmännchen, Schnabeltierfrauen und sogar Kriechtiere als charmante Trickbetrüger ihren Willen durchsetzen, also vor allem leckeres Essen und neue Gehege in besseren Städten als Delmenhorst ergaunern. Das wirkt umso beeindruckender, als den spracharmen Kreaturen menschliche Stimmen untergejubelt werden, so ähnlich wie früher bei "Väter der Klamotte", wo Hanns Dieter Hüsch alle Synchronstimmen der Stummfilmstars sprach. Diese frühere ZDF-Serie müsste übrigens unbedingt mal jemand wiederholen: "Starke Frauen, wilde Löwen, Wassertanz und Tortenschlacht. . ."



Sei's drum, den Zootieren werden als menschliche Vergleichsgruppe bevorzugt wortkarge zauselige Altpfleger oder unerfahrene dralle Jungpflegerinnen beiseite gestellt, die kaum etwas wissen und beschreiben können, außer dem, wa sie da gerade sehen. Und das ist natürlich viel zu wenig, um gegen die Supertiere zu bestehen.

Die geistige Verarmung des Menschen wird auch regelmäßig in Günther Jauchs Show "Wer wird Millionär?" dokumentiert. Am augenfälligsten wird sie in Person der dreisten Publikumsjoker. Die sollten nur dann aufstehen, wenn sie eine Frage zu 100 Prozent sicher beantworten können. Sie haben aber meist nur "im Zug was gelesen", wissen also nichts und reißen den Millionen-Kandidaten fahrlässig auf 500 Euro runter. Davon kann der sich dann immerhin eine Jahreskarte für den Zoo kaufen und lernt dort hoffentlich, auf die richtigen Stimmen zu hören.