Im Sumpf der Vergangenheit

Im Sumpf der Vergangenheit

Saarbrücken. Frustrierend für Bertrand Tavernier: 2007 dreht der französische Regisseur ("Der Uhrmacher von St. Paul") seine erste US-Produktion

Saarbrücken. Frustrierend für Bertrand Tavernier: 2007 dreht der französische Regisseur ("Der Uhrmacher von St. Paul") seine erste US-Produktion. Mit dem als bärbeißig-schwierig berüchtigten Hauptdarsteller Tommy Lee Jones kommt es zu Spannungen; und am Ende sind die Produzenten nicht davon angetan, was Tavernier da in Louisiana gedreht hat, und schneiden eine andere Version des Films als der Regisseur selbst: In den USA wurde eine konventionellere, Krimi-gemäßere 103-Minuten-Fassung veröffentlicht, in Europa konnte Tavernier seine eine Viertelstunde längere Fassung zeigen, die in seiner Heimat knapp eine Million Zuschauer ins Kino zog.

Bei uns erscheint die Produktion in Taverniers Fassung direkt auf DVD und ist eine Entdeckung. Der Film basiert auf James Lee Burkes Roman "Im Schatten der Mangroven" und erzählt vordergründig einen Krimi: In Louisiana versucht der Polizist Dave Robichaux (Jones) den Mord an einer Prostituierten aufzuklären. Bei den Ermittlungen erkennt er, dass das Verbrechen mit einem früheren Mord in Verbindung steht - einer Tat, die ihn seit seiner Kindheit beschäftigt. So weit das äußerliche Krimi-Gerüst. Was Burke und Tavernier aber stärker interessiert, ist die Beschreibung von Land und Leuten, von Atmospäre und Charakteren. Die sind plastisch gezeichnet und gut gespielt. Da ist die selbstbewusste Ehefrau des Polizisten (Mary Steenburgen), ein versoffener Hollywoodstar (Peter Sarsgard), ein undurchsichtiger Geschäftsmann (Veteran Ned Beatty) und eine brutale Mafia-Provinzgröße (John Goodman). Sie tummeln sich in einem Louisiana, das bei Tavernier zu einem verfluchten Ort wird: Manche Orte sind immer noch vom Hurricane Katrina zertrümmert, aus den Sümpfen scheint eine dunkle Vergangenheit nach den Figuren zu greifen. Von seinen Widersachern mit LSD berauscht, wandelt der Polizist durch Dunstschwaden und trifft Soldaten aus dem Bürgerkrieg, tot seit Jahrhunderten.

Der Süden gründet hier auf allgegenwärtigem Rassismus und auf einer gewalttätigen Historie. Robicheaux, vom wettergegerbten Jones gewohnt lakonisch gespielt, ist einer der letzten Moralisten und weiß, dass er das Böse nicht aufhalten kann - nur ab und an eine von dessen Ausgeburten. Hinter der Betulichkeit lauert das Bedrohliche. Davon erzählt Tavernier in aller Ruhe.

Erschienen bei Koch Media.