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Im Rausch der Klänge: Das 1. Saarbrücker Free Jazz Festival

Saarbrücken. Frei improvisierte Musik hat in Saarbrücken eine erstaunlich große Anhängerschaft. Das wurde einmal mehr beim 1. Saarbrücker Free Jazz Festival am Mittwoch deutlich – ein Abend voll explosiver musikalischer Ideen. Stefan Uhrmacher

Seit seiner Geburt vor über einem halben Jahrhundert wird der Free Jazz von konservativen Blue-Note-Jüngern immer wieder totgesagt. Doch er ist quicklebendig - auch an der Saar. Das zeigte das 1. Free Jazz Festival Saarbrücken am Mittwoch im Kleinen Theater im Rathaus. Nur "eine kleine Underground-Veranstaltung" habe es werden sollen, scherzte der künstlerische Leiter Christof Thewes, der zufrieden in den bis in die letzten Reihen gefüllten Gewölbekeller blicken konnte.

Keine Bange um die Zukunft des Genres braucht man zu haben, so lange es derart rauschhaft und explosiv musizierende Formationen gibt, wie das aus Frankfurt und Darmstadt angereiste KHR-Trio, bestehend aus Wolfgang Reimers (Sopransaxofon), Thomas Honecker (Gitarre) und Detlef Kraft (Schlagzeug ). Bis an den Rand der körperlichen Erschöpfung sich verausgabend, entwarfen sie vibrierende Klangbilder mit ultraschnellen Gitarren-Tremoli und gönnten sich nur bei wenigen lyrischen Intermezzi ein paar Ruhestrecken.

Wie sich selbst mit einer Workshop-Band starke Ergebnisse erzielen lassen, hatte Thewes (Posaune) zuvor mit Deddé Schäfer (Bass), Michael Zimmer (Percussion) und Pascal Zimmer (Schlagzeug ) unter dem Nenner "DA!" gezeigt: Die Teilnehmer des diesjährigen Jazzworkout jazzten zwar noch recht gegenständlich, ließen es aber nicht an Energie und Spielfreude mangeln.

Mit einer frischen Prise Performance würzten Bouboule, die Tradition und Moderne verbinden möchten, den Abend: Benjamin Lehmann (Bass) und Martial Frenzel (Schlagzeug ) woben einen ebenso kniffligen wie dichten und groovenden Rhythmusteppich, der Lothringer Geoffroy Muller entlockte seiner Trompete erstickte Signale, ließ Luftballons quietschen, verspeiste einen Schlauch und wandelte unter einem Regenschirm.

Ein glänzendes Finale lieferte das für den Tag frisch formierte Quartett Nimbus aus den Saarländern Thewes und Martin "Schmiddi" Schmidt (Mandoline, Bass), Olaf Rupp (Gitarre; Berlin) und Jörg Fischer (Schlagzeug ). In dem Team stimmte die Chemie, die Klangfarben waren wirkungsvoll eingesetzt, und so boten die im transparenten Breitwandsound erstrahlenden Improvisationen reichlich Labsal für geneigte Ohren. Nach einem solch gelungenen Debüt sollte einer nächsten Ausgabe des von Thewes gemeinsam mit Hans Husel, Thomas Geisler und Stefan Winkler organisierten Festivals nichts im Weg stehen.