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Im Rausch der Farben

Emil Noldes Aquarell „Rote und gelbe Sonnenblumen“ (um 1920). Foto: Nolde Stiftung Seebüll
Emil Noldes Aquarell „Rote und gelbe Sonnenblumen“ (um 1920). Foto: Nolde Stiftung Seebüll FOTO: Nolde Stiftung Seebüll
Baden-Baden. Rund 80 Gemälde und Aquarelle von Emil Nolde zeigt derzeit das Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Die Schau wird zwar ihrem Titel „Die Pracht der Farben“ gerecht. Einen differenzierten Einblick in Noldes Seelenleben bietet sie jedoch nicht. gue

Wer derzeit am Museum Frieder Burda in Baden-Baden vorbeiflaniert, entdeckt vier wunderschöne Blumenbeete, die in den prächtigsten Farben blühen. Viele Menschen bleiben stehen und bewundern die Blütenpracht. Die Beete sind Werbemittel für eine Ausstellung zum Werk von Emil Nolde (1867-1956) und wer die Schau betritt, weiß auch, warum Stadt und Museum diese Werbung erdacht haben. In den schönsten Farben hat Nolde die Blumen in seinem Garten und denen der Nachbarn verewigt. In Bildern wie "Trollhois Garten" oder "Blumengarten (O)" blühen Schwertlilien in Violett, Mohnblumen in Orange-Rot, Fuchsien in Rosa, und Sonnenblumen strahlen in Gelb. Zu den schönsten Bildern der Ausstellung gehört zweifellos das in leuchtenden Rottönen gemalte "Großer Mohn (rot, rot, rot)".

Wie die Arbeiten der meisten deutschen Expressionisten sind die Werke Noldes von übersteigerter Farbigkeit, doch in den Blumenbildern bemerkt man dies nur selten, weil diese Farbigkeit natürlich wirkt und nicht als übertriebenes Gestaltungsmittel auffällt. Etwas anderes ist das in den Südseebildern, die auf an einer Neuguinea-Expedition Noldes entstanden sind. In diesen malt er knallige Sonnenuntergänge oder exotische Schönheiten am Strand. Anders als bei den Brücke-Malern, zu denen Nolde sich eine Zeit lang zählte, ist die Nacktheit in den Bildern kein rebellisches Aufbegehren gegen die bürgerliche Spießigkeit. Nacktheit verpackte der bekennende Christ meist in biblische Motive, wie "Josephs Versuchung" oder "Verlorenes Paradies". Einen Eklat lösten die Bilder seinerzeit trotzdem aus, weil die Nacktheit manchem dann doch zu weit ging.

Selten wich Nolde von seiner leuchtenden Farbpalette ab, wie etwa in "Meereslandschaft III", einer düsteren Ansicht des aufgepeitschten Meeres. So sind seine Bilder vor allem geprägt von einer innigen Naturverbundenheit und einem virtuosen Umgang mit Licht und Farbe.

Anders als die Brücke-Maler, die mit ihrem wilden Primitivismus die seelischen Abgründe des Menschen sichtbar machen wollten, bieten Noldes Arbeiten nicht viel mehr als schön Anzuschauendes. So schuf er meist unpolitische Wohlfühlmalerei. Die Bilder sind eine Augenweide, zum Nachdenken leiten sie nur selten an. Es fehlt das Revolutionäre, das seine Brücke-Kollegen auszeichnete, man sieht sich schnell satt. Auch die Porträts bieten nur selten einen Einblick in das Seelenleben des Malers. Einzig die 1300 Aquarelle der "Ungemalten Bilder", die Nolde während des Berufsverbots in der NS-Zeit malte, lassen etwas wirklich Geniales aufblitzen, zeugen von Experimentierfreude. Hier malte der Künstler "aus der Fantasie", wie er selbst sagte, die gequälte Malerseele wird erfahrbar.

Wie fast alle Ausstellungen der vergangenen Jahre zu dem norddeutsch-dänischen Maler ist auch diese aalglatt - kein Wunder, wacht doch die Nolde-Stiftung mit Argusaugen über Werk und Ruf des Malers. So verzichtet auch diese Schau nicht auf den Hinweis zur Opferrolle Noldes, der trotz NSDAP-Mitgliedschaft als entarteter Maler eingestuft und 1941 wegen "Unzuverlässigkeit" mit einem Malverbot belegt wurde. Zugleich wird nicht erwähnt, dass Nolde durchaus antisemitische Sprüche klopfte. Auch entdeckt man in manchem Bild die dem antisemitischen Stereotyp entsprechende Hakennase. Hart kämpfte er gegen jüdische Kunsthändler und Kollegen. Auch seine Auffassung von einer "nordisch-germanischen Kunst" ist nicht weit weg von der völkischen Ideologie der Nazis. Das alles ist nicht neu, bleibt aber auch in Baden-Baden weitgehend unaufgearbeitet und vergällt die Freude an der Opulenz der Bilder.

Bis 13. Oktober. Infos: www.museum-frieder-burda.de