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IHK will Flüchtlingen helfen

Saarbrücken. Um Flüchtlinge schneller in die Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu integrieren, hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) ein Maßnahmenbündel geschnürt. Die gezielte Qualifizierung steht im Mittelpunkt. Lothar Warscheid

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Saarland nimmt rund 100 000 Euro in die Hand, damit Flüchtlinge schneller in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Sie will mit ihrer Initiative vor allem erreichen, dass die Migranten schnell die deutsche Sprache erlernen und ihre beruflichen Kenntnisse zeitnah erfasst und erweitert werden, damit ihre Vermittlungschancen steigen. Das teilte die Kammer mit.

So will die IHK die Sprachkurse , die von der Arbeitsagentur und den Jobcentern angeboten werden, durch einen "gezielten fachsprachlichen Unterricht" ergänzen. Parallel dazu sollen die jungen Flüchtlinge durch Schnupperpraktika und eine Einstiegsqualifizierung darauf vorbereitet werden, eine Ausbildung zu beginnen oder einen Arbeitsplatz zu erhalten. Für die Sprachförderung will die IHK rund 30 000 Euro zur Verfügung stellen.

Darüber hinaus will die Kammer dafür sorgen, dass zusätzliche Sprachmittler zur Verfügung gestellt werden können. Das sind Menschen, die die Muttersprache der Flüchtlinge beherrschen. Dazu hat die Kammer zwei Lehrgänge zur Qualifizierung zusätzlicher Sprachmittler ausgeschrieben. Diese werden im September und Oktober in Saarbrücken und Homburg stattfinden. Die Lehrgänge finanziert die IHK mit 10 000 Euro.

Diese Sprachmittler können beispielsweise bei Behördengängen und Arztbesuchen helfen. Sie können auch die Jobcenter und die Landesaufnahmestelle in Lebach unterstützen, wenn es darum geht, die Kompetenzen der Migranten abzufragen.

Um die beruflichen Kenntnisse und Fähigkeiten der Flüchtlinge besser und vor allem schneller zu erfassen, will die IHK eine zusätzliche Stelle finanzieren, für die Kosten von 50 000 Euro veranschlagt werden. Dieser Mitarbeiter soll im neuen Welcome Center der Wirtschaftsförderungs-Organisation Saaris angesiedelt sein. Er soll auch die Clearingstelle "Ausbildungs- und Beschäftigungsperspektiven" entlasten, die in der Landesaufnahmestelle in Lebach angesiedelt ist und die von der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) sowie dem Beratungsnetzwerk Sabene getragen wird. Wenn festgestellt wird, das die fachlichen oder sprachlichen Kompetenzen nicht ausreichen, sollen die Flüchtlinge Angebote erhalten, damit sie sich zügig nachqualifizieren können.

Um junge Menschen beim Einstieg in die Arbeitswelt aktiv zu begleiten, sollen Senioren-Experten verpflichtet werden, die ihnen als "Paten" zur Seite stehen. "Das sind Personen, die in ihrer aktiven Berufstätigkeit an Schlüsselstellen in Unternehmen oder anderen Einrichtungen saßen", heißt es bei der Kammer. Das konkrete Vorgehen soll Anfang Oktober abgestimmt werden. Die IHK will die Kosten dafür tragen.


Meinung:

Initiative braucht langen Atem

Von SZ-RedakteurLothar Warscheid

Wenn es um die Integration der zahlreichen Flüchtlinge in Gesellschaft und Wirtschaft geht, will die Industrie- und Handelskammer (IHK) nicht nur auf der Galerie diskutieren, sondern in der Arena kräftig mithelfen. Dieser spontane Vorstoß ist auch mit einer klugen Strategie hinterlegt. Wer - wie die IHK - ständig die drohende Facharbeiterlücke beklagt, darf nicht hintenanstehen, wenn motivierte junge Leute in unser Land strömen. Doch sie muss sich bewusst sein, dass sie einen langen Atem braucht. Die Initiative muss auch tragen, wenn die Flüchtlinge nicht mehr im Fokus des öffentlichen Interesses stehen. Frühere Migrationswellen haben gezeigt, dass in ihrer Heimat Hochqualifizierte in Deutschland zu Hilfsarbeitern wurden. Diese Fehler dürfen sich nicht wiederholen.