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IG Metall kritisiert Struktur der Hydac

Die Hydac wurde im Sommer von einem Großbrand bei einer ihrer Gesellschaften schwer getroffen. Foto: B&B
Die Hydac wurde im Sommer von einem Großbrand bei einer ihrer Gesellschaften schwer getroffen. Foto: B&B FOTO: B&B
Sulzbach. Die Gewerkschaft IG Metall sieht in der Struktur der Hydac deutliche Nachteile für Beschäftigte. Durch die vielen Einzelgesellschaften würden gesetzliche und tarifvertragliche Regelungen unterlaufen. Joachim Wollschläger

Wenn vom Hydac-Konzern die Rede ist, geht es formell nicht um ein Konzernunternehmen, sondern um unabhängige Einzelgesellschaften. 15 GmbHs firmieren unter der Marke Hydac, die jeweils auf bestimmte Gebiete spezialisiert sind. Eine Konstruktion, die der Gewerkschaft IG Metall ein Dorn im Auge ist. Durch das Modell der Einzel-GmbHs würden letztlich Mitarbeiter benachteiligt, so ein Vorwurf der Gewerkschaft. So würde die Hydac unter anderem die Vorschriften des Teilzeit- und Befristungsgesetzes unterlaufen, demzufolge befristete Mitarbeiter nach 24 Monaten in einer Firma unbefristet im Unternehmen übernommen werden müssten, sagt Michael Knopp von der IG Metall in Saarbrücken. "Wenn eine befristete Kraft dann allerdings in einer anderen Hydac-Firma eingesetzt wird, läuft diese Zeit neu", sagt Knopp. Auf diese Weise könnten Kettenbefristungen über mehrere Jahre in einem Konzern stattfinden.

Ähnliche Probleme sieht Knopp bei den Leiharbeitern. Denn denen stünden laut Tarifvertrag ab einer bestimmten Betriebszugehörigkeit Zuschläge zu - von 15 Prozent nach sechs Wochen bis 50 Prozent nach neun Monaten. "Durch eine Verschiebung innerhalb des Betriebs fallen diese Zuschläge dann weg", sagt Knopp.

Hydac-Personalleiter Christoph Müller kann diese Vorwürfe nicht verstehen. Für den Einsatz der Leiharbeiter beispielsweise sei der konkrete Bedarf ausschlaggebend, nicht der Versuch, Zuschläge zu vermeiden. "Der maßgebliche limitierende Faktor ist die Notwendigkeit vor Ort", sagt Müller. Außerdem betont er, dass Leiharbeiter in mehreren Hydac-Gesellschaften übertariflich bezahlt würden.

Auch den Vorwurf der Kettenbefristungen will Müller so nicht stehen lassen: "Wir haben über Jahre hinweg rund 330 befristete Mitarbeiter im Hydac-Verbund an Bord", sagt er. Seit 2013 sei es aber gerade mal in 13 Fällen vorgekommen, dass sie in einer anderen Gesellschaft weiterbeschäftigt worden seien. Umgekehrt sei die Hydac-Gruppe in 15 Jahren von 2000 auf 3700 Mitarbeiter gewachsen. "Da werden Sie viele ehemalige befristete Mitarbeiter und Leiharbeiter finden", sagt er.

Besonders kritisch sieht Knopp die Hydac-Ausbildungs-Praxis. Weil der Konzern in der Hydac Verwaltung GmbH ausbildet, ist die tariflich vorgeschriebene Übernahmepflicht der Auszubildenden ausgehebelt. "Schließlich kann die Verwaltung ja keine Mechatroniker gebrauchen", sagt Knopp. Stattdessen würde nur ein Teil der Auszubildenden fest übernommen, der Rest nur befristet. "Damit schafft Hydac für die jungen Menschen ein Klima der Unsicherheit in einer Zeit, in der sie eine Familie gründen und ihr späteres Leben planen wollen", sagt Knopp. Personalchef Müller entgegnet, dass gelebte Praxis sei, dass am Ende eigentlich alle Auszubildenden - auch die befristet übernommenen - in eine Fest anstellung kommen.

Hydac-Sprecher Daniel Enders betont auch, dass bei der Firmenstruktur vor allem das Unternehmensziel im Vordergrund stehe und nicht die Vermeidung von Mitbestimmung. Die Gesellschaften seien nach Produktgruppen und Industriebranchen ausgerichtet, um "zielgerichtet und effizient am Markt operieren zu können", sagt Enders.

Knopp vermutet allerdings auch andere Gründe. Schließlich sei schon auffällig, dass, wenn eine Gesellschaft sich der 500-Mitarbeiter-Grenze nähert, eine Tochtergesellschaft abgespalten werde. Ab der Grenze von 500 Mitarbeitern erhalten die Arbeitnehmer Mitspracherecht im Aufsichtsrat.