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"Ich liege Euch zu Füßen!"

Saarbrücken. Natürlich, dem finalen Appell seitens der Jury muss man sich anschließen: Markus Schleinzer, mit "Michael" letztjähriger Ophüls-Gewinner und diesmal in der Jury, forderte eine Aufstockung des Festival-Etats Von SZ-Redakteur Tobias Kessler

Saarbrücken. Natürlich, dem finalen Appell seitens der Jury muss man sich anschließen: Markus Schleinzer, mit "Michael" letztjähriger Ophüls-Gewinner und diesmal in der Jury, forderte eine Aufstockung des Festival-Etats. Was Ophüls mit einem seit langem konstanten, real also schrumpfenden Budget von einer Million Euro leiste, das sei erstaunlich - und daher die Erhöhung, gerne um 200 000 Euro, "eine gesellschaftliche Verantwortung". Ob die Politik der nachkommen wird?Die Neuerung der Preisverleihung am Samstagabend war der Ort: Zwar hatte das Festival das E-Werk schon einmal 2003 beehrt, damals aber mit klassischer Bestuhlung - diesmal richtete man die Halle mit Sitzgruppen neudeutsch "Lounge"-artig ein, was die Atmosphäre lockerte; der Backstein-Charme des E-Werks passt gut zum Jungfilmer-Festival, die Congresshalle musste man nicht vermissen.



Jochen Schropp moderierte wieder einmal flott durch den Abend, der eigentlich so sei wie die Oscarverleihung, nur ohne Zwang zur Abendgarderobe - wer sich fein gemacht hatte, sei von hier, wer nicht: garantiert Jungfilmer. Nur Schropps Anmoderation von Jurymitglied Ina Weisse, die nicht nur "wunderschöne Schauspielerin" sei, sondern auch Regisseurin, missriet.

Die Festivalleiter Gabriella Bandel und Philipp Bräuer dankten den lebenswichtigen Sponsoren und erledigten die Aufgabe, auf der Bühne alle zu erwähnen, mit Würde. Die Dankesrede mit den meisten Worten pro Sekunde kam von Aron Lehmann, dem Regisseur der hinreißenden Tragikomödie "Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel". In Dieter-Thomas-Heck-Tempo bekannte er angesichts des Publikumspreises: "Ich bin unglaublich glücklich! Ich liebe Euch, ich liege Euch zu Füßen!" Ein besonderer Gruß galt der preisüberreichenden Hannelore Elsner; denn ihr habe Lehmann vor acht Jahren, da war er noch kein Regisseur, bei einer Produktion immer den Kaffee gebracht.

Gleich zwei Preise erhielt der Spielfilm "Fünf Jahre Leben" von Stefan Schaller, der die Haft von Murat Kurnaz in Guantanamo nachzeichnet. Der Preis der Schülerjury (neben dem von Interfilm) freue ihn besonders, "es gibt nichts Schöneres, als dass sich junge Leute für das Thema interessieren - das ist auch sehr im Sinne von Murat Kurnaz". Arne Ahrens, für seinen Kurzfilm "Meine Beschneidung" mit dem Publikumspreis prämiert, schwor feierlich, die Förderung seines Langfilms, den er nun endlich mal drehen wolle, "auf jeden Fall zurückzuzuzahlen".

Wie vom Donner gerührt schienen die beiden jungen ausgezeichneten Darsteller - Jasna Fritzi Bauer im Familiendrama "Scherbenpark" und Max Mauff im Amoklauf-Kurzfilm "In der Überzahl". Mauff sagte: "Ich dachte, man wird vorgewarnt." Nebenbei erfuhr man auch, was der Darstellerpreisträger 2012 mit der Prämie von 3000 Euro gemacht hat: Michael Fuith hat sich, ganz prosaisch, einen Beamer fürs Heimkino gekauft.

Heiko Maas, der in Vertretung den Preis der Saarländischen Ministerpräsidentin vergab, bekannte, beim Festival keinen Film gesehen zu haben - aber "auf der Arbeit gibt es genug Filmreifes. Tragödien, Dramen, da ist alles dabei". Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz, die den Ophüls-Preis vergab, wurde von Schropp ("Ihre Haare waren früher roter") spaßeshalber auf ihre Verliebtheit in Axel Prahl angesprochen. Der drehe jetzt in Saarbrücken, gab Britz zurück, "ein Treffen ist vereinbart". Viel Jubel gab es am Ende für den Gewinner, die doppelbödige Schauspieler-Biografie "Der Glanz des Tages". Dann leitete das traditionelle Gruppenfoto zur Filmparty über.

Auf einen Blick

Max Ophüls Preis: "Der Glanz des Tages"

von Tizza Covi und Rainer Frimmel.

Preis der Saarländischen Ministerpräsidentin:

"Talea" von Katharina Mückstein.

SR/ZDF-Drehbuchpreis an "Scherbenpark". Buch:

Katharina Kress, nach dem Roman von Alina Bronsky.

Publikumspreis Langfilm: "Kohlhaas oder die Verhältnismäßigkeit der Mittel" von Aron Lehmann.

Interfilm-Preis: "Fünf Jahre Leben" von Stefan Schaller.

Der Preis der Jugendjury: "Fünf Jahre Leben".

Nachwuchsdarstellerin: Jasna Fritzi Bauer in "Scherbenpark".

Nachwuchsdarsteller: Max Mauff, "In der Überzahl".

Bester Dokumentarfilm: "Dragan Wende - West Berlin"

von Dragan von Petrovic und Lena Müller.

Lobende Erwähnung an "Cesars Grill" von Dario Aguirre.

Publikumspreis in der Sparte des Mittellangen Films:

"Stufe Drei" von Nathan Nill.

Kurzfilmpreis: "Gruppenfoto" von Mareille Klein.

Publikumspreis Kurzfilm: "Meine Beschneidung"

von Arne Ahrens.

Förderpreis der Defa-Stiftung: "Der Kapitän und sein Pirat"

von Andy Wolff. red

Jurybegründungen unter www.max-ophuels-preis.de