„Ich bin ein Scheinwerfer“

„Ich bin ein Scheinwerfer“

Mit seiner Faszination für Licht schafft der junge Saarbrücker Künstler François Schwamborn Installationen, die in Anklang an die Op-Art der 60er Jahre mit irritierenden Effekten und optischen Täuschungen arbeiten. Auch Klänge spielen eine große Rolle.

Eine Wand in der Musikhochschule Saar. Weiß, steinsichtig, durch Vor- und Rücksprünge diagonal gegliedert. Sie beschäftigt François Schwamborn. So bewegt, wie sie wirkt, könnte sie sogar fast von ihm sein, aber nur fast. Denn Schwamborns Kunst manifestiert sich nicht materiell, sie ist flüchtig. Sichtbar, hörbar, aber nicht greifbar. Der 29-Jährige arbeitet mit Licht. Nicht mit Scheinwerfern, wie er betont, sondern mit Beamern. Meist in Verbindung mit Klängen projiziert er Bilder auf Wände und überführt so Räume und ganze Gebäude in neue Seinszustände. Ein Scheinwerfer, das sei er selbst, sagt er, im wahrsten Sinne des Wortes: einer, der einen Schein wirft. "Ich kann mit Hilfe des Lichts Akzente setzen, Dinge verbergen und optische Täuschungen bewirken." Der Saarbrücker, Sohn einer Französin und eines Deutschen, sieht sich so in der Tradition der OP-Art, die in den 1960er Jahren ähnlich mit irritierenden Effekten gespielt hat.

Angefangen hat für Schwamborn alles konventionell mit Malerei und Fotografie während seines Studiums an der Kunsthochschule Saar. Bald habe er sich für Animation begeistert und sei dann nach und nach in die digitale Welt "abgedriftet", erinnert er sich. Die Professoren Tamas Walicky und Burkhard Detzler hätten ihn besonders geprägt. Für seine Diplomarbeit 2014 hat er nicht wie zumeist Muster zu Musik, sondern Musik als Muster projiziert. Wie das geht? Er hat drei Jazz-Musiker in einen Gewölbekeller gesetzt, ihre Musik per Mikro abgegriffen und ein selbstgeschriebenes Computerprogramm in Reaktion darauf Muster bilden lassen. Wie das ausgesehen hat? "Geil!" Er ist zu Recht stolz. Besonders imposant sind seine Projektionen auf Häuserfassaden: Im Dunkel der Nacht scheinen die Gemäuer plötzlich ein Eigenleben zu entwickeln. Fenster leuchten geisterhaft auf, Teile des Mauerwerks lösen und bewegen sich, die gesamte Fassade bäumt sich auf, schlägt Wellen, verzerrt sich. Völlig vergessen ist die Starre der steinernen Formen dahinter. "Mir ist wichtig, Lebendigkeit rüberzubringen", sagt Schwamborn. "Wenn man es gut animiert, kann selbst ein Strichmännchen lebendig wirken."

Nicht nur Saarbrücker Gebäude, wie das Schloss beim Rotationen-Projekt der Kunst- und der Musikhochschule Saar, sondern etwa auch ein Hotel und einen Königspalast in Indien hat er, teilweise mit Kollegen, bereits verwandelt. Sein täglich Brot verdient der selbstständige Multimedia-Künstler und Designer mit Projektionen für Konzerte, Theateraufführungen und andere Veranstaltungen, auch macht er hier und da kleine Filme.

Die weiße Wand nun hat für Schwamborn in Bezug auf ein ganz anderes Projekt Bedeutung: Er will sich einmal wieder ganz der künstlerischen Freiheit hingeben und bereitet deshalb eine Ausstellung vor. Die Wand inspiriert ihn dabei für bestimmte Arbeiten: "Ihr Muster interessiert mich. Diese Struktur, die nochmals gebrochen wird." Fest stehe, dass er Lichtobjekte bauen werde. Also etwas Greifbares? Er verrät es noch nicht. Das Licht jedenfalls lässt ihn nicht mehr los. Auch wegen des philosophischen Widerspruchs, sagt er: "Man kann das Licht selbst nicht sehen, aber ohne Licht kann man nichts sehen." Das Licht macht die Dinge, die da sind, sichtbar - oder in Schwamborns Fall sogar Dinge, die nicht da sind. Wann und wo die Ausstellung "sichtbar" sein wird, ist noch unklar.

Mehr von Saarbrücker Zeitung