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HTW zeigt Wirtschaftsnähe

 Trumpf-Manager Klaus Löffler gemeinsam mit HTW-Rektor Wolrad Rommel und Prorektor Jürgen Griebsch (v.l.): „Viele Erfolgsprodukte sind aus der Forschung entstanden.“ Foto: Rich Serra
Trumpf-Manager Klaus Löffler gemeinsam mit HTW-Rektor Wolrad Rommel und Prorektor Jürgen Griebsch (v.l.): „Viele Erfolgsprodukte sind aus der Forschung entstanden.“ Foto: Rich Serra FOTO: Rich Serra
Saarbrücken. Die HTW will die anwendungsorientierte Forschung noch weiter ausbauen. Dafür soll jetzt ein Mittelstandszentrum in der Hochschule gegründet werden, das den Kontakt zu Unternehmen intensiviert. Joachim Wollschläger

Anwendungsorientierte Forschung ist eine der Hauptsäulen der Saarbrücker Hochschule für Wirtschaft und Technik (HTW). 6,5 Millionen Euro an Drittmitteln fließen alleine in die Forschung ein, drei Millionen in die Lehre. Die Drittmittel machen damit mehr als ein Viertel des Hochschuletats aus. "Damit sind wir in Deutschland bei der Fremdfinanzierung eine der führenden Hochschulen", sagte HTW-Rektor Wolrad Rommel gestern beim Know-how-Tag der HTW im Saarbrücker Schloss. Bei der Veranstaltung präsentiert die HTW gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft gemeinsame Projekte.

Die anwendungsorientierte Forschung will die Hochschule jetzt noch weiter ausbauen. Um den Kontakt zur Saar-Wirtschaft zu optimieren, will Rommel im kommenden Jahr ein Mittelstandszentrum in der Uni gründen. In diesem sollen dann Forschungsprojekte mit Industriepartnern gebündelt und betreut, Veranstaltungen organisiert und die angewandte Forschung noch sichtbarer gemacht werden. "Das Zentrum soll fakultätsübergreifend arbeiten und der Hochschulleitung unterstellt sein", sagte Rommel.

Wie wichtig die Zusammenarbeit mit den Hochschulen ist, bestätigte Klaus Löffler, Geschäftsführer der Trumpf Laser- und Systemtechnik. Das Unternehmen hat gemeinsam mit der HTW einen Beschriftungslaser entwickelt, der nun auf den Markt gebracht werden soll. "Hochschulen sind für Unternehmen die wichtigsten Innovationspartner", sagte Löffler. Gerade im Bereich der Lasertechnik sei Deutschland nur deshalb führend, weil Forschungsprojekte über Jahre gefördert wurden. "Viele unserer Erfolgsprodukte sind aus Forschungsprojekten entstanden."

Testfeld in Merzig


Bei der Forschung will sich die HTW künftig auf vier Schwerpunktthemen konzentrieren: die Digitalisierung mit Fokus auf Systemintegration, die Steigerung der Robustheit von Technologien, die Zukunft der Mobilität sowie die veränderten Lebensabläufe in einer modernen Welt.

Gerade das Thema Zukunft der Mobilität soll als Beispiel für die künftige Zusammenarbeit zwischen Forschung und Wirtschaft dienen. "Als Automobil-Land müssen wir uns jetzt schon damit beschäftigen, wie die Mobilität in zehn Jahren aussieht", sagt Prorektor Jürgen Griebsch. "Wenn Autos autonom fahren und weniger Unfälle bauen, können sie auch anders gebaut werden. Außerdem werden bei E-Autos viele Komponenten nicht mehr gebraucht werden." Die Hochschule will deshalb gemeinsam mit saarländischen Firmen auf einem Testfeld in Merzig an der Entwicklung eines selbstfahrenden Autos arbeiten. Um das Projekt zu finanzieren, hat sich die HTW bei dem Projekt "Starke Fachhochschulen - Impuls für die Region" beworben, das vom Bundesforschungsministerium mit mehreren Millionen Euro bezuschusst wird.

Wie sinnvoll die Beschäftigung mit der Mobilität der Zukunft ist, zeigte auch der Vortrag des Zukunftsforschers Lars Thomsen von der Denkfabrik Future Matters. "Autobatterien werden alle vier Wochen ein Prozent billiger. Und ein Prozent effizienter. Und wenn der teuerste Teil immer preiswerter wird, wird auch das E-Auto immer günstiger", sagt Thomsen. Es sei also nur eine Frage der Zeit, wann E-Mobilität sich durchsetzt. Auch beim autonomen Fahren sei es nur noch eine Frage von wenigen Jahren. VW habe jetzt durch den Abgas-Skandal die große Chance, ganz neu zu denken. "VW-Chef Matthias Müller kann jetzt entscheiden, ob er alles tut, um den Ruf der Diesel-Technik jahrelang aufzupolieren, oder ob er auf die Technik der Zukunft setzt", sagt Thomsen. "Kodak hatte zweihundert Wochen Zeit, sich von analoger auf digitale Fotografie umzustellen", sagt Thomsen. "Sie haben es nicht geschafft." Deshalb sei Kodak heute Geschichte.