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Hosenmätze toben im Bücherwald

Saarbrücken. Man hätte der Kinder- und Jugendbuchmesse besseres Wetter gewünscht, freitags regnet es Bindfäden, trotzdem tummeln sich vor den Zelten am Schloss hordenweise Knirpse, sammeln Info-Material und Bällchen beim Bibliotheksverband Saarland Von SZ-Mitarbeiterin Ruth Rousselange

Saarbrücken. Man hätte der Kinder- und Jugendbuchmesse besseres Wetter gewünscht, freitags regnet es Bindfäden, trotzdem tummeln sich vor den Zelten am Schloss hordenweise Knirpse, sammeln Info-Material und Bällchen beim Bibliotheksverband Saarland. Gegenüber im Zelt werben zwei Frauen der Médiathèque Saareguémines für ihre Bücher, werden aber von den Kinderströmen links liegen gelassen. So entdecken sie nicht Audrey Poussiers wunderbares "Le chagrin", wo ein hasenartiges Etwas sich unter einer Decke heulend dem Weltschmerz ergibt, bevor es von einer Tiermeute zurück ins Leben gelacht wird. Oder Peter Mayles witziges auf Letzebuergesch übertragenes Aufklärungsbuch, das erklärt, dass "Elo déi kleng Kanner" nicht von der Hauskatze angeschleppt wurden.



Im Schloss dann unglaublicher Tumult, halb taub wird man von soviel Kinderrufen und -kreischen. Die Saarbrücker Ostschule hat gerade Silke Lambecks Lesung aus "Herr Röslein" besucht, toll sei's gewesen, die Grundschule Bischmisheim lauschte, was Aygen-Sibel Celik über "Fußball, Gott und echte Freunde" zu erzählen hat. Die Schülermassen bringen Leben ins wie immer etwas karg dekorierte Schloss, ja, die Sicherheitsauflagen.

Treppauf ist kaum mehr ein Durchkommen, man drängt zur nächsten Veranstaltung. Im Gang erklärt eine riesige Holztafel die 6-Punkte-Schrift nach Louis Braille, daneben liegt Menena Cottin und Rosana Farias "Schwarzes Buch der Farben" (Fischer Schatzinsel). Hier erfährt man in dunklen, geprägten Bildern wie es ist, die Welt nur zu erfühlen, statt zu sehen, das Gelb nach Senf schmeckt und die Farbe Braun raschelt wie trockenes Laub, wunderbar.

Am Stand mit afrikanischen Büchern des Andikra Verlags wird gar gesungen und getanzt, Kinder wippen zu Trommelrhythmen durch die Gänge. Und im Messecafé kümmert sich Yvonne Rech um Autoren, die gerade Pause machen. "Kommt herbei, ihr Völker, kann man da sagen", meint sie, "die Kinder fallen in Scharen ins Schloss ein, heute noch viel mehr als gestern." Schon kleinste Hosenmätze krabbeln herum und pflücken begierig Pappbücher von extra für sie niedrig aufgestellten Regalen. "Wir sind total ausgebucht, wir mussten sogar Klassen zurückschicken", sagt Rech. Über 40 Autoren und Illustratoren sind hier.

Der Stand von Ehrengastland Tschechien ist so belagert, man sieht kaum mehr die Bücher. Aus Tschechien ist eine ganze Schulklasse angereist, Saarwellingen ist ihre Partnerstadt. Allerdings haben von den großen Verlagen viele wieder nur Bücher geschickt, die hier von Studenten betreut werden. Gekommen sind vor allem Verleger kleinerer Verlage, besonders die, die sich mit Mehrsprachigkeit befassen, wie Editon bi:libri, der SchauHör Verlag, Georg Olms und andere. Kerstin Schlieker von bi:libri erzählt, dass jede Menge Kinder bei ihr waren, aber wenig Fachpublikum, man müsse die Gesellschaft stärker für mehrsprachige Bücher sensibilisieren. Erstaunlich, was Astrid und Yvonne Rech unterstützt von einer Gruppe Studenten auf die Beine stellen. Nicht mehr wegzudenken ist diese Messe für junge Leser inzwischen aus Saarbrücken.