Hilfe für kranke Hufe

Hilfe für kranke Hufe

Losheim. Wenn Pferde humpeln, lahmen, gerissene Hufe oder gebrochene Beine haben, sind Produkte von Michael Puhl gefragt. Der Hufschmied aus Losheim hat sich mit seiner Firma PM Huftechnik auf orthopädische Probleme bei Pferden spezialisiert.Pferde mit X-Beinen? Die gibt es wirklich, sagt Puhl

Losheim. Wenn Pferde humpeln, lahmen, gerissene Hufe oder gebrochene Beine haben, sind Produkte von Michael Puhl gefragt. Der Hufschmied aus Losheim hat sich mit seiner Firma PM Huftechnik auf orthopädische Probleme bei Pferden spezialisiert.Pferde mit X-Beinen? Die gibt es wirklich, sagt Puhl. Bei solchen Fehlstellungen belasten die Pferde ihre Hufe einseitig - langwierige Probleme sind die Folge.

Mehrere Orthopädieprodukte für Pferde hat Puhl schon patentiert: Von Hufeisen-Einlagen über Hufklammern bis hin zu einem so genannten Schwinglifter liefert er seine Produkte in die ganze Welt.

Der Schwinglifter, seine jüngste Erfindung, ist erst kürzlich vom Deutschen Handwerk als "Meisterwerk der Woche" ausgezeichnet worden. Er dient dazu, Pferde, die sich an den Beinen verletzt haben, durch eine spezielle Hängekonstruktion um bis zu 250 Kilogramm zu entlasten - ohne ihnen die Bewegungsfreiheit zu nehmen. "Pferde wurden schon vor 500 Jahren aufgehängt", sagt Puhl. "Aber eine bewegliche Lösung habe ich bei meiner Suche nach einer Lösung nirgendwo gefunden."

Die Idee seiner Erfindung: Das Pferd hängt in einem Gurtsystem, das an einer variabel einstellbaren Feder befestigt ist. Die Feder ist aber nicht starr an einem Balken befestigt, sondern an beweglichen Schienen.

"Mit dem Pferdelifter hat sich Michael Puhl wirklich etwas ganz Schlaues ausgedacht", sagt Petra Ohnemus, Ärztin an der Rennbahnklinik in Iffezheim. Die Klinik besitzt einen der 15 Pferdelifter, die Puhl seit Mitte 2009 bereits verkauft hat. Mittlerweile kommen Anfragen aus der ganzen Welt. Einen Lifter hat er für eine Klinik in Italien in Arbeit, einer geht nach Kanada.

"Zu schnell sollten die Aufträge auch nicht kommen, sonst komme ich mit der Produktion nicht hinterher", sagt Puhl. Zwar kauft er viele Teile für den Lifter zu, aber ein Teil der Produktion sowie die Montage übernimmt er in seiner Werkstatt in Losheim. "Zwei Lifter pro Monat können wir fertigstellen. Bei mehr Aufträgen müssten wir erweitern, das will ich noch nicht", sagt Puhl, der zurzeit sechs Mitarbeiter beschäftigt - vier davon auch ganz klassisch als Hufschmiede.

Puhl, der vor über dreißig Jahren erst Metallbauer und dann Hufschmied gelernt hat, hat sich sein orthopädisches Wissen nach und nach in Zusammenarbeit mit Tierärzten angeeignet.

Nicht nur mit dem Lifter, der besonders bei Knochenbrüchen zum Einsatz kommt, löst er Probleme, auch seine Einlagen und Hufklammern sind weltweit gefragt: "Wenn Pferde einseitig auftreten, besteht unter anderem die Gefahr, dass der Huf reißt. Und bei falscher Belastung können schmerzhafte Entzündungen entstehen", erklärt er. Für solche Fälle hat Puhl spezielle Einlagen entwickelt, die zwischen Huf und Hufeisen angebracht werden und die Gewichtsverteilung ändern. Und auch für gerissene Hufe hat Puhl eine Lösung: Mit speziellen Hufklammern können die Hufe fixiert und die Risse wahlweise geschlossen oder auch geöffnet werden: "Das ist beispielsweise der Fall, wenn die darunterliegende Haut im Huf einzuklemmen droht", sagt Puhl. Seine Klammern hat er schon über 20 000 mal verkauft.

Der Schwinglifter ist zwar mit knapp 10 000 Euro nicht ganz billig, da Hochleistungspferde aber ein Vielfaches wert sind, sieht Puhl großes Potenzial. Und auch Ohnemus ist optimistisch: "Eigentlich gehört so ein Lift in jede Pferdeklinik", sagt sie.