Haus Saargau in Gisingen feiert Fest zum 20-jährigen Bestehen

Haus Saargau feiert ein Land-Fest : Alles echt und mit persönlicher Ansprache

Mit einem großen Fest an diesem Sonntag feiert das Haus Saargau in Gisingen seinen 20. Geburtstag. Der Landkreis hat aus dem Haus ein lebendiges Besucher-Zentrum für das ländliche Leben im Kreis Saarlouis gemacht.

Wetten, die absolute Mehrheit der Kreis-Bevölkerung würde ungläubig staunen, wenn man ihr dieses Hochglanz-Programm vorlegte und dann sagte: Das ist das Jahresprogramm des Hauses Saargau in Gisingen? Fast jeder hat den Namen schon einmal gehört. Doch was der Landkreis Saarlouis daraus in den letzten Jahren gemacht hat, wissen wohl nur die, die dort waren. Das sind keine Massen, sagt Dieter Ruck von der Stabsstelle Tourismus des Landkreises, aber doch vier- bis sechstausend im Jahr. Was zur Linie passt. Die liegt in der Entfaltung von Qualität, ländlicher Qualität. Oder, wie Landrat Patrik Lauer sagt: in der „Werthaltigkeit ländlicher Produkte und Identität“. Die ja auch zum Kreis Saarlouis gehöre.

Das alles war nicht abzusehen, als das Haus vor exakt 20 Jahren als lothringisches Bauernhofmuseum eröffnet wurde. Es wird aber jetzt zu sehen sein: am Sonntag, 9. September, 10 bis 18 Uhr, bei einem großen Fest zum 20-jährigen Bestehen des Hauses. „Bauchträume“ haben sie das Fest genannt, Unterzeile: „Regional & Fair: Herbstliches Markttreiben im & um das Haus Saargau“.

Haus Saargau gehört zu den wenigen lothringischen Bauernhäusern noch aus dem 18. Jahrhundert. Es ist heute eine Anlaufstelle für Touristen, eine Plattform für lokale Akteure aus dem ländlichen Raum, ein Duft- und Würzgarten sowie ein Museums-Teil. Dort sind Teile der Pinck’schen Sammlung ausgestellt, lothringisches Mobiliar aus dem 18. Jahrhundert.

Das Fest am Sonntag bestücken vor allem regionale Akteure, die das Haus Saargau auch sonst für Veranstaltungen oder das Netzwerk des Hauses  nutzen: Das reicht von lokalen Lebensmittelherstellern wie dem Marienhof Zenner in Gerlfangen und den Kartoffelbauern Gammel, der Brennerei Pehnt Brot, getrocknete Äpfel und Liköre von Erich Meyer, dem Pehlinger Hof, der Ölmanufaktur Saarlouis bis zum Fair-Trade-Händler La Tienda aus Saarlouis und dem Bienenhof Forster Seiwert. Den Spießbraten bietet der Arme Leo aus Beaumarais an.Zweite Gruppe dabei: Organisationen wie der Naturpark Saar Hunsrück, Gärten ohne Grenzen (zu denen der Garten von Haus Saargau gehört) und Jäger oder Patrik Feltes als Marktschreier.

Dritte Gruppe: Künstler wie Hilla Koch-Neumann (Keramik) und Christine Weides (Schrottkunst), Musiker, wie die Scheidbergmusikanten, Udo Britz, Ilka Müggenburg und Christoph Schmitt (Gesang), Andreas Nagel und das GAP-Project, Mundart mit Jean-Louis Kieffer. Vierte Gruppe: Solides Handwerk wie Drechseln oder Goldschmiede.

Die Akteure bestücken auch das Haus selbst das Jahr über. Beispiel Imker. Beispiel Naturpark Saar-Hunsrück mit seinem Programm. Beispiel lokale Künstler: Sie stellen im Haus aus. Das Kunst Forum Saarlouis hat sogar eine Dauerausstellung. „Im Haus ist Leben“, fasst Lauer zusammen.

Genau das ist das Anziehende. Heimat ist attraktiv, ländliche zumal. Besucher kommen gerne, vor allem, wenn diese Heimat sie buchstäblich „anspricht“. Es ist die Heimat der anderen - besonders attraktiv, wenn man selbst keine solche hat. Es hat seine Gründe, dass - wie Lauer unterstrich - Befragungen zeigten, dass Saarland-Touristen vor allem anderen positive Erinnerungen an die Menschen hierzulande mitnehmen. Das alles wird oft zutreffen für die Menschen, die auf den drei sich in der Nähe kreuzenden Premiumwanderwegen laufen.

Das Fest bleibt ebenso wie Haus Saargau dicht an der Wirklichkeit der ländlichen Region Gau. Manches aufgehübscht, aber alles existiert auch ohne Tourismus und bringt sich einfach nur neu zur Geltung. Alles echt. Gepaart mit, wie Lauer betont, persönlicher Ansprache der Besucher; im Haus ist das seit Jahren Bea Leinen.

Das Haus (Lauer: „Es hat viele Jahre geschlummert“) soll weiter entwickelt werden, wie Jeanette Dillinger vom Tourismus-Team des Landkreises erläutert. Sie denkt zum Beispiel an drei neue Zimmer. In einem soll es um Abwanderung aus der ländlichen Region gehen. Da könnte ein Film mit Johnny Depp gezeigt werden, über das Leben von John Dillinger. US-Gangster (1903 bis 1934), offizieller Staatsfeind Nummer eins. Seine Familie kam aus Gisingen. „Weitläufige Verwandtschaft“, sagt Jeanette Dillinger, die selbst aus Gisingen kommt.

Der Tag des Festes, der 9. September, ist auch Tag des offenen Denkmals im Saarland. Dessen Motto könnte passender nicht sein für den 20. Geburtstag von Haus Saargau: „Entdecken, was uns verbindet.“

Sorgen für Leben im Haus Saargau (von links): Stehend Dieter Ruck, Beatrix Leinen, Landrat Patrik Lauer, sitzend Sandra Hoen, Kolja Koglin und Jeanette Dillinger. Foto: Kreis Saarlouis/Yannick Hoen/Yannick Hoen

Die Straße vor dem Haus Saargau bleibt wegen des Festes gesperrt. Parkplätze werden vor der Grundschule und auf dem nahen Wanderparkplatz ausgewiesen. Der Eintritt zum Fest ist wie sonst auch ins Haus Saargau frei.