Gourmetfreuden: Hauptsach gudd gess

Gourmetfreuden : Hauptsach gudd gess

Die saarländische Küche ist bodenständig, deftig – und sehr lecker.

Wer hart arbeitet, braucht reichlich Energiereserven. Das galt in früheren Zeiten auch für die Arbeiter in den Eisenhütten, Steinkohlebergwerken und der Landwirtschaft hierzulande. Entsprechend deftig und kalorienreich war ihr Essen. Gekocht wurde mit regionalen Zutaten wie Kartoffeln, Zwiebeln, Bohnen, Rüben und Kraut. Zur Verfeinerung und für noch mehr Kalorien gab es dazu eine Speck-Sahne-Soße.

Die Zeiten haben sich geändert, die Gerichte sind geblieben. Auch heute noch steht Bodenständiges aus Omas Rezeptbuch hoch im Kurs. Wirtshäuser bieten Dibbelabbes, Hoorische, Gefillde und Geheirade – in unterschiedlichen Schreibweisen – an. Auch die „gudd Subb“, über deren
Eintopf-artige Konsistenz und Pfannkuchen-Beilage sich Nicht-Saarländer manchmal wundern, lässt man sich nach wie vor samstags gerne schmecken. Dabei darf das Maggi – die bekannte Schweizer Flüssigwürze – niemals fehlen.

Ein großes Thema, ja sogar
eine Philosophie für sich, ist das Schwenken. Ganzjährig
legt hier der Schwenker Schwenker auf den Schwenker, also der Grillmeister den eingelegten Schweinenacken auf den Schwenkgrill. Dass diese Grillmethode von Südamerika über Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz(!) seinen Weg ins Saarland gefunden hat, wird gerne verschwiegen. Französische Wurzeln hat hingegen der Lyoner. Das Rezept stammt ursprünglich aus der französischen Stadt Lyon, wo vor 460 Jahren eine Lyoner-ähnliche Wurst erfunden wurde. Der aromatische Brühwurstring aus Schweinefleisch und Rindfleisch schmeckt Groß und Klein, im Doppelweck und im Wurstsalat. Im Saarland war der Lyoner bei Bergleuten beliebt, er konnte praktisch mit unter Tage genommen werden
und war auch „Zahlungsmittel“, wenn es um Abgeltung von Überstunden ging.

Dibbelabbes, gerne auch mit Apfelmus, wird auch heute im Saarland geschätzt und geliebt. Foto: BECKER&BREDEL/bub
Identitätsstiftendes Landessymbol, Zahlungsmittel und ikonischer Brühwurstring! Der Lyoner ist ein saarländisches Nationalheiligtum. Foto: gandolf - Fotolia/Manfred Holz
Hoorische mit Specksauce gehören zu den absoluten Klassikern der Saar-Küche. Foto: reinhardt
xx Foto: SZ/User, gmlr08

Auch Flammkuchen und Sauerkraut, wie es die elsässische Küche kennt, mag man hierzulande. Dame Blanche und Crème brûlée sind nicht nur französische Dessertklassiker, sondern stehen auch auf vielen saarländischen Speisekarten, die es auch auf Französisch gibt. Offenbar schätzen auch die Franzosen das saarländische Motto „Hauptsach gudd gess!“. Katharina Rolshausen