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Harte Einschnitte bei Schaeffler

Saarbrücken. Auf die Frage, was ihnen auf der Betriebsversammlung mitgeteilt wurde, sagten die Schaeffler-Mitarbeiter in Homburg fast einhellig: "Nichts Konkretes." Die Unsicherheit, so der Tenor, bleibt. Klar ist, dass der Automobilzulieferer im Werk Homburg 27,5 Millionen Euro einsparen will Von SZ-Redakteur Joachim Wollschläger

Saarbrücken. Auf die Frage, was ihnen auf der Betriebsversammlung mitgeteilt wurde, sagten die Schaeffler-Mitarbeiter in Homburg fast einhellig: "Nichts Konkretes." Die Unsicherheit, so der Tenor, bleibt. Klar ist, dass der Automobilzulieferer im Werk Homburg 27,5 Millionen Euro einsparen will. Anders als noch vor einer Woche angedeutet, sind die betriebsbedingten Kündigungen erst einmal vom Tisch. Stattdessen will Schaeffler in allen deutschen Werken die zur Verfügung stehenden Möglichkeiten wie Kurzarbeit, Teilzeit, freiwillige Aufhebungsverträge oder Altersteilzeit nutzen. Wie das genau im Werk Homburg aussehen soll, wollen Betriebsrat, die IG Metall und Personalchef Erwin Thurnes bis Ende Juli erarbeiten.Betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden ist laut dem Vorsitzenden der Schaeffler-Geschäftsleitung, Jürgen Geißinger (Foto: dpa), das vordringliche Ziel, auf das sich das Unternehmen mit der IG Metall geeinigt hat. Gleichzeitig müsse sich das Unternehmen aber der Wirtschaftslage anpassen. Der Umsatz der Automotive-Sparte ist laut Schaeffler um 25 Prozent zurückgegangen, in der Industrie-Sparte ist das Geschäft zwölf Prozent geringer als im Vorjahr. Entsprechend müssten nun auch die Kosten runtergefahren werden. "Wichtig ist die gemeinsame Anstrengung aller Mitarbeiter an allen Standorten", sagte Geißinger im Gespräch mit unserer Zeitung.Bundesweit will das Unternehmen 250 Millionen Euro einsparen, das entspricht 4500 Stellen. Gelingt es, dafür bis Ende Juli tragfähige Konzepte zu entwickeln, dann will das Unternehmen bis Ende Juni 2010 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Die 27,5 Millionen Euro in Homburg entsprechen rechnerisch einer Zahl von 488 Mitarbeitern - ein Fünftel der Gesamtbelegschaft. Personalchef Thurnes relativiert aber, dass auch Maßnahmen wie Kurzarbeit in die Einsparungen eingerechnet werden. Von der ist in Homburg fast jeder Mitarbeiter zumindest tageweise betroffen. Trotzdem sieht er, dass die Zeit drängt: "Wir werden sofort anfangen, nach nachhaltigen Sparmöglichkeiten zu suchen." Ralf Reinstädtler, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall in Homburg, ist optimistisch, das Ziel zu erreichen. "Noch in diesem Jahr scheiden beispielsweise 127 Mitarbeiter altersbedingt aus", sagt er. Das sei schon ein wichtiger Posten. Außerdem gebe es personell durchaus noch Optionen. Auch einen Gehaltsverzicht schließt Reinstädtler nicht aus, sollte das Sparziel am Ende nicht ganz erreicht sein. Das Ergebnis der Betriebsversammlung wertet Reinstädtler als Sieg für die Arbeitnehmer: "Statt Streit gibt es jetzt wieder Dialog. Und statt Hoffnungslosigkeit eine Chance."Der saarländische SPD-Chef Heiko Maas bezeichnete es als oberstes Ziel, die 2500 saarländischen Arbeitsplätze zu halten. "Staatliche Hilfe kann nur beanspruchen, wer betriebsbedingte Kündigungen ausschließt." Schaeffler verhandelt zurzeit über Staatshilfe, weil dem Unternehmen nach der missglückten Übernahme von Conti zehn Milliarden Euro fehlen. "Dazu sind wir in ständigem Dialog mit den Banken, der Politik und Conti", sagte Geißinger. Meinung


Zwei Monate Frist



Von SZ-RedakteurJoachim Wollschläger Echte Erleichterung war den Schaeffler-Mitarbeitern gestern nicht gegönnt. Die Kündigungen, die sie erwartet hatten, sind zwar ausgeblieben. Doch Sicherheit haben sie trotzdem nicht. 488 Stellen - in welcher Form auch immer - sollen im Homburger Werk abgebaut werden. Kurzarbeit und natürliche Fluktuation können das nicht komplett auffangen. Es bleibt die Hoffnung, dass genug Kollegen in Teilzeit gehen, vorzeitig ausscheiden oder vielleicht, gelockt durch eine entsprechende Abfindung, einen neuen Job suchen. Auch könnten finanzielle Einbußen nötig werden. Bis Ende Juli müssen die Schaeffler-Mitarbeiter diese Unsicherheit noch ertragen. Erst dann wird klar sein, ob die betriebsbedingten Kündigungen auch wirklich vom Tisch sind.