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Hara-Gläubiger pfeifen Verwalter zurück

Quierschied. In der Stimme von Erfolgs-Unternehmer Hans Raab klingt am Telefon etwas Enttäuschung und Frust mit: "Da ist nichts zu machen. Ich muss das akzeptieren." Seit Jahren ist Raab mit dem Saar-Fiskus im Clinch, sieht seine Firma mit unberechtigten Steuerforderungen in Millionenhöhe konfrontiert. 2003 war von einer Gesamtsumme von rund 32 Millionen Euro die Rede Von SZ-Redakteur Michael Jungmann

Quierschied. In der Stimme von Erfolgs-Unternehmer Hans Raab klingt am Telefon etwas Enttäuschung und Frust mit: "Da ist nichts zu machen. Ich muss das akzeptieren." Seit Jahren ist Raab mit dem Saar-Fiskus im Clinch, sieht seine Firma mit unberechtigten Steuerforderungen in Millionenhöhe konfrontiert. 2003 war von einer Gesamtsumme von rund 32 Millionen Euro die Rede. Damals meldete Raab mit seiner Hara Umwelt- und Reinigungstechnik Hans Raab GmbH, die in Camphausen residiert, Insolvenz an. Seitdem hat der St. Ingberter Anwalt Peter Haas als Verwalter das Sagen. Ihm gelang es, dass mit Beteiligung einer Liechtensteiner Stiftung von Raab die neue Gesellschaft "Hara GmbH" die Geschäfte übernahm. Haas führte die alte Firma, gegen die Steuernachforderungen für die Jahre 1992 bis 1995 erhoben wurden, weiter. Im Dezember 2008 verhandelte das Finanzgericht in dem Fall und gab dem Fiskus zu 86 Prozent Recht. Gegen dieses Urteil der Saar-Finanzrichter, das für die alte GmbH Nachzahlungen in zweistelliger Millionenhöhe bedeutet, hat Verwalter Haas fristgerecht Revision eingelegt. Sein Argument, dem sich auch Raab anschließt: Immerhin hätten die Richter Bedenken wegen möglicher Unvereinbarkeit der Entscheidung mit europäischem Recht geäußert. Doch der Fall Hara wird den Bundesfinanzhof (BFH) nicht beschäftigen. Haas sagte gestern: "Ich werde die Revision zurücknehmen müssen. Damit wird der Rechtsstreit beendet." Die Gläubigerversammlung, an der Raab persönlich teilnahm, pfiff Verwalter Haas letzte Woche zurück. Einstimmig fiel die Entscheidung gegen die Revision. Haas bestätigt, dass kein Vertreter der Hauptgläubiger Saarland und Gemeinde Quierschied, an dieser Abstimmung teilgenommen hat. Zwei Ex-Geschäftspartner Raabs, die insgesamt Millionen-Forderungen angemeldet haben, hätten alleine entschieden. Haas: "Dieses Votum ist von mir hinzunehmen. Die Gläubiger haben anders gestimmt, als ich vorgeschlagen habe." Die Fortsetzung des Prozesses bis zum Urteil in letzter Instanz hätte wahrscheinlich noch sieben bis zehn Jahre gedauert. Die beiden Gläubiger wollten aber wohl früher Geld sehen. Immerhin hat Haas knapp 22 Millionen Euro in der Insolvenzkasse, aus der schon bald erste Abschlagszahlungen geleistet werden könnten. Haas geht von einer Quote von etwa 70 Prozent aus. Er meint, das 2003 eröffnete Verfahren 2009 "seinem Abschluss deutlich näher bringen zu können". Weitere Steuerforderungen als Resultat einer Betriebsprüfung für die Jahre nach 1996 seien denkbar. Ungeklärt ist weiter die Zukunft der Hara-Tennishalle und des früheren Druckereigebäudes in Camphausen. Die Immobilien stehen auf gepachtetem Saarforst-Gelände und wurde angeblich von Hara finanziert. Haas: "Grund und Boden zieht an." Dann wäre das Land Eigentümer.