Handel auf dem Land unter Druck

Saarbrücken · Handelsunternehmen abseits der Zentren haben immer mehr Schwierigkeiten, ihre Kunden zu finden, so das Ergebnis einer Studie. Die Branchenvertreter im Saarland fürchten aber nicht den großen Niedergang.

 Kunden kaufen verstärkt in den größeren Zentren ein, sagt eine Studie voraus. Unser Archivfoto zeigt die Europagalerie in Saarbrücken. Foto: Europa-Galerie

Kunden kaufen verstärkt in den größeren Zentren ein, sagt eine Studie voraus. Unser Archivfoto zeigt die Europagalerie in Saarbrücken. Foto: Europa-Galerie

Foto: Europa-Galerie

Der Einzelhandel in Deutschland muss sich auf einen zunehmenden Wandel einstellen. Angesichts einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung bekommt die Standortfrage immer größere Bedeutung. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Hamburger Weltwirtschaftsinstitut gestern vorgestellt hat. Demnach werden von einem Umsatzplus nur die Orte profitieren, die für das Umland eine zentrale Einkaufsfunktion erfüllen. Während Lebensmittel auch in Zukunft noch wohnortnah nachgefragt werden, werde sich die Nachfrage in den sonstigen Warengruppen verstärkt in die wachsenden Regionen und Städte, also die "zentralen Orte" verlagern.

Eine These, die im Grundsatz auch Max Schoenberg, Vorsitzender des Vereins für Handel und Gewerbe in Saarbrücken, teilt. Demnach setzt die abnehmende Bevölkerung in kleineren Gemeinden auch den Handel unter Druck: "Ohne Kunden ist Handel nicht möglich", sagt er. Außerdem hätten größere Städte traditionell eine Sogwirkung auf Kunden aus dem Umland, was es dem dortigen Handel schwerer mache. "In Zukunft muss deshalb jede Gemeinde rund um ihren eigenen Marktplatz darum kämpfen, dass die Vielfalt des Handels vor Ort erhalten bleibt." Auch Michael Genth, Geschäftsführer von Leder Spahn in Saarbrücken, sieht eine Wanderungsbewegung bei der Kundschaft: "So wie sich am Wohnungsmarkt eine Konzentration in den Städten erkennen lässt, verändert sich natürlich auch der Handel", sagt er. "Das ist schlicht und einfach eine Stärkung des urbanen Lebensraums."

Die sieht auch Serge Micarelli, Geschäftsführer der Europagalerie in Saarbrücken, ganz einfach, weil viele ältere Menschen mittlerweile angesichts des Angebots "sich eher in den Städten wohlfühlen". Dabei sieht er keine Konzentration in Saarbrücken, sondern auch in größeren Zentren wie Saarlouis, Merzig oder Homburg, die noch eine breite Handelsstruktur und viel Potenzial haben. Orte "mit bis zu 10 000 Einwohnern" würden es aber immer schwerer haben, Strukturen zu stellen, in denen Handel überleben kann.

Bernhard Kiesel, Vorsitzender des Vereins für Handel und Gewerbe in Merzig, will kein Pauschalurteil fällen. Für ihn hat auch der regionale Handel gute Zukunftsaussichten, "weil er das Ohr ganz intensiv am Kunden hat". So etwas könnten große Kaufhäuser nicht leisten, das Internet schon gar nicht. Zwar werde der Druck größer und der Handel müsse die Kunden aktiver in die Läden locken, allerdings sei die Beratung noch immer ein Plus, das für den stationären Handel spreche.

Hans E. Agostini, Vorsitzender des saarländischen Einzelhandelsverbands, findet es überhaupt schwierig, von einer generellen Trennung zwischen Stadt und Land zu sprechen. Bei kleinen Gemeinden auf der grünen Wiese habe der Handel sicherlich ein Problem, aber in kleineren Zentren sehe er gute Chancen. "Letztlich entscheiden immer das Sortiment, die Beratung und der Service über den Erfolg - auch auf dem Land", sagt er.