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Halberg Guss will massiv Jobs streichenSchaefflerSchaeffler: In Deutschland sollen 5000 Arbeitsplätze wegfallenJohnson Controls stoppt Batterie-Produktion

Saarbrücken. Die Saarbrücker Gießerei Halberg Guss plant einen Arbeitsplatz-Abbau "im dreistelligen Bereich". Das teilte das Unternehmen mit. Genauere Zahlen, wie viele Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen, stünden in etwa zwei Wochen fest. Grund sei die schleppende Nachfrage nach Motorblöcken, Zylinderblöcken und Kurbelwellen für die Automobilindustrie Von SZ-Redakteur Lothar Warscheid

Saarbrücken. Die Saarbrücker Gießerei Halberg Guss plant einen Arbeitsplatz-Abbau "im dreistelligen Bereich". Das teilte das Unternehmen mit. Genauere Zahlen, wie viele Stellen dem Rotstift zum Opfer fallen, stünden in etwa zwei Wochen fest. Grund sei die schleppende Nachfrage nach Motorblöcken, Zylinderblöcken und Kurbelwellen für die Automobilindustrie. Vor allem bei Motorblöcken für Lkws, Landmaschinen und Baufahrzeugen seien die Bestellungen um bis zu 60 Prozent eingebrochen, im Pkw-Sektor liege der Rückgang bei 20 bis 40 Prozent. Halberg Guss beschäftigt in Saarbrücken rund 1300 Mitarbeiter. Bereits im Herbst vergangenen Jahres habe man damit begonnen, ein Kostensenkungs-Programm zu erarbeiten, um die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Darin sei auch ein Personal-Abbau enthalten gewesen. Durch die Auto-Krise "ist der Anpassungsdruck spürbar gewachsen", erläuterte Unternehmenssprecher Hubert Immesberger. Große Nachfrage bestehe nach kleineren Motorblöcken, die zum Beispiel in den VW Polo oder den Opel Corsa eingebaut werden. Diese Bestellungen reichten jedoch nicht aus, um die Gießerei ohne Verluste zu fahren. Auf der anderen Seite könnten die Fixkosten kaum reduziert werden. "Die Öfen, die das Gießeisen schmelzen, müssen auf jeden Fall in Betrieb bleiben", nannte er als Beispiel. Außerdem habe Halberg Guss erhebliche Kostennachteile gegenüber Wettbewerbern, die ihre Produktion bereits wesentlich stärker automatisiert hätten. Die IG Metall warnt das Unternehmen davor, bei den Arbeitsplätzen "eine Kahlschlag-Politik zu betreiben". Das sagte der 1. Bevollmächtigte der Verwaltungsstelle Saarbrücken, Hans Peter Kurtz. Die arbeitsmarktpolitischen Instrumente "sind noch keineswegs ausgeschöpft". Dazu gehöre unter anderem die Kurzarbeit oder reduzierte Arbeitszeiten. Sollten Stellen abgebaut werden, müsse man dies sozialverträglich regeln, zum Beispiel über Altersteilzeit. Für die französischen Grenzgänger, die in dem Unternehmen arbeiten, müsse man die Sozialregelungen unter die Lupe nehmen, die im Nachbarland gelten, meinte Kurtz. Eine Zukunftshoffnung ist für das Unternehmen der neue "Weltmotor" von Mercedes, den die Saarbrücker zusammen mit dem Stuttgarter Autobauer entwickelt haben. Dieser befinde sich in der Anlaufphase und soll später fast in die gesamte Modellpalette von Mercedes eingebaut werden. In Deutschland verfügt Halberg Guss über zwei Produktionsstandorte - in Saarbrücken und Leipzig. Die Unternehmensgruppe wurde vor einigen Jahren von den beiden Geschäftsführern Joachim Braun (Vorsitzender) und Aloys Diesinger übernommen.Herzogenaurach/Homburg. Die massiven Auftragseinbrüche als Folge der Autokrise zwingen den angeschlagenen, hoch verschuldeten Autozulieferer Schaeffler zu drastischen Einschnitten. Nach monatelanger Kurzarbeit, mit denen Auftragsflauten abgefedert wurden, drohen bei dem fränkischen Unternehmen nun Entlassungen im großen Stil. Allein in Deutschland will das Unternehmen rund 5000 Arbeitsplätze streichen, war aus unternehmensnahen Kreisen zu erfahren. Ein Konzernsprecher lehnte eine Stellungnahme ab. Weltweit sollen demnach 8000 der insgesamt 66 000 Stellen wegfallen. Die deutschen Standorte, an denen rund 28 000 Mitarbeiter beschäftigt seien, wären damit von dem Stellenabbau besonders stark betroffen, hieß es. In den Homburger Ina-Schaeffler-Werken sind rund 2500 Mitarbeiter beschäftigt. "Sollte das Unternehmenskonzept betriebsbedingte Kündigungen vorsehen, werden wir gemeinsam mit den Beschäftigten um jeden Arbeitsplatz kämpfen", teilte der Zweite Bevollmächtigte der IG-Metall-Verwaltungsstelle Homburg-Saarpfalz, Ralf Reinstädtler, am Freitag mit. "Kündigungen sind nicht verhandelbar." Sie seien auch nicht notwendig, da Nachfrageschwankungen weiterhin über Kurzarbeit abgefedert werden könnten. Außerdem müsste die Schaeffler KG über Bürgschaften, Kredite und Staatsbeteiligungen gestützt werden. dpa/redSaargemünd. Die Entscheidungen über Standortschließungen treffen im Moment die Region Lothringen knüppelhart. Gestern bestätigte die Sprecherin Angelika Jäger von Johnson Controls der Saarbrücker Zeitung, dass die Produktion von Autobatterien in Saargemünd über kurz oder lang dichtmachen soll. Allerdings, so Jäger, sei noch nicht über die Werksschließung in Saargemünd entschieden worden, wo im Moment noch 350 Mitarbeiter in der Batteriefertigung von Johnson Controls beschäftigt sind. Der Standort Saar sei als "Drehkreuz für die Distribution von Batterien in Europa" vorgesehen, hieß es weiter. Das bedeute, dass in Zukunft eine Reihe von Arbeitsplätzen in Saargemünd erhalten blieben.Dagegen hatte die Metzer Zeitung "Républicain Lorrain" gemeldet, dass das Unternehmen Johnson Controls in Saargemünd 350 Arbeitsplätze in der Batterieproduktion aufgebe. Zwar sei ein Verteilungszentrum für die Akkumulatoren geplant, aber dafür seien höchstens 65 Arbeitskräfte erforderlich. Und für wie lange diese gebraucht würden, sei noch nicht geklärt. Völlig unverständlich ist für die Beschäftigten die Entscheidung der Unternehmensführung, nachdem noch im Februar Überstunden geleistet werden mussten, um die Aufträge zu erfüllen. Bisher wurden in Saargemünd jährlich zwischen vier und 4,2 Millionen Autobatterien hergestellt. gf Meinung


Schwere Zeiten fürs Autoland

Von SZ-RedakteurVolker Meyer zu Tittingdorf Jahrelang gründete die wirtschaftliche Stärke des Saarlands auf die Industrie rund ums Auto. Jetzt leidet unser Bundesland unter der Branchenkrise besonders hart. Die Hoffnung der Autozulieferer, mit Kurzarbeit die Nachfrageschwäche zu überbrücken, schwindet zusehends. Mehr und mehr gehen die Geschäftsführungen offenbar davon aus, die Produktion längere Zeit auf Sparflamme fahren zu müssen. Zudem verzeiht die Krise keine Schwäche. Wer nicht auf dem modernsten Stand ist, gerät schnell in Nöte. Daher häufen sich die Nachrichten über Jobabbau, und die Lage droht sich noch zuzuspitzen. Denn Besserung ist nicht in Sicht. Auch wenn Ford Saarlouis - dank Abwrackprämie - eine Ausnahme macht.