Grüße aus dem „Vorbeifahrerland“

Grüße aus dem „Vorbeifahrerland“

Saarbrücker Kunststudenten haben für den Conte Verlag Postkarten entworfen. Sie zeigen das Saarland „mal anders“ und machen deutlich, wie unnötig bieder die offizielle Marketing-Kampagne des Landes ist.

Der Deutsche will von Frankfurt nach Paris, von Stuttgart an den Atlantik oder von Freiburg nach Brüssel - und zwar möglichst schnell. Das Saarland kennt er daher höchstens vom Vorbeifahren: Ups, war da was zwischen Kaiserslautern und Luxemburg? "Vorbeifahrerland" hat Merle Sommer, Studentin der Hochschule für Bildende Künste Saar (HBK), den von ihr gestalteten Postkarten-Satz betitelt, der auf köstliche Art und Weise mit dem Klischee vom Saarland als unattraktivem Transitland spielt. Als Motive hat Sommer die hinlänglich bekannten Wahrzeichen des Landes gewählt, sie aber im Vorbeifahren fotografiert - entsprechend verwackelt sind die Ergebnisse. In welchem Ausmaß wir Einheimische offenbar Tag für Tag mit Abbildungen der vermeintlich werbewirksamen Dauerbrenner von Völklinger Hütte bis Saarschleife infiltriert werden, machen die Karten deutlich: Jedes der Motive, sei es noch so verschwommen aufgenommen, erkennt ein Saarländer auf den ersten Blick.

Merle Sommer hat sechs der insgesamt 44 "Saarkarten" gestaltet, die seit einigen Wochen in Buchhandlungen und Zeitschriftenläden zu kaufen sind. Mitarbeiter des St. Ingberter Conte Verlags hatten im vergangenen Jahr die Idee entwickelt, "saarländische Grüße mal anders" umzusetzen. Gewinnen konnte der Verlag für das Projekt HBK-Professor Ivica Maksimovic, der ein Semester lang mit seinen Studenten daran arbeitete, "dem kleinen Saarland ein neues Gesicht zu geben", wie es die Ausschreibung des Verlags forderte. Aus den "zahlreichen guten Ideen" habe man schließlich die sechs besten für den Druck ausgewählt, sagt Conte-Verlagsassistentin Christina Wolfrum.

So sehr sich die sechs Postkartenserien konzeptionell auch unterscheiden: Sie alle versprühen etwas, das die biedere Saarland-Kampagne der Landesregierung bitter vermissen lässt: Kreativität und Humor. Da ersetzt zum Beispiel Julia Sterk für ihre Federzeichungen die Tusche kurzerhand durch Maggi, um Staatstheater, Schloss und Co. in neuem Glanz erstrahlen zu lassen - ein Traum in braun, der im Duftkarten-Set auch olfaktorisch seinen Reiz hat. Annabelle Wagner dagegen interessiert sich in ihrer Serie für "Dinge, die ein Saarländer niemals sagen würde" - "Heit owed grille ma Tofu-Woarschd" zum Beispiel. Isabel Schwarz ("Saarland meets world") hat Motive zusammengestellt, deren korrekte Benennung Saarländer vor grammatikalische Herausforderungen stellt: "Em Gerd seiner Großkusine, die mol uffm Amt geschafft hat ihrer Muddder ihr gröscht Gellerieb" zum Beispiel. Bei Felix Gropper ("Miniaturbundesland") schließlich kann der Empfänger der Karten das Saarland selbst ausschneiden und zusammenbauen - in 3D.

Einzig Pablo Riedingers nicht minder witzige Karten passen nicht recht in die Sammlung. Unter dem Titel "Analog Shit-storm" bieten sie dem Absender die Möglichkeit, unliebsamen Mitbürgern in zehn nicht immer ganz jugendfreien Stärkegraden die eigene Abneigung kund zu tun - bis hin zur offenen Kriegserklärung. Das ist hochkomisch, wenngleich ein regionaler Bezug nicht recht erkennbar ist. Andererseits: Ja, auch Saarländer haben Feinde.

conte-verlag.de