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Grünes Licht für Rettung der Commerzbank Weichen für Verstaatlichung der Hypo Real Estate gestellt

Brüssel. Brüssels Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat die staatliche Unterstützung für die Commerzbank nach monatelangem Streit mit dem Bundesfinanzminister genehmigt. Als Auflage für die Milliardenhilfen verordnete die EU aber eine Schrumpfkur

Brüssel. Brüssels Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat die staatliche Unterstützung für die Commerzbank nach monatelangem Streit mit dem Bundesfinanzminister genehmigt. Als Auflage für die Milliardenhilfen verordnete die EU aber eine Schrumpfkur. Die Bilanzsumme soll innerhalb der nächsten fünf Jahre von rund 1100 Milliarden auf etwa 600 Milliarden fast halbiert werden, wie Deutschlands zweitgrößte Bank gestern in Frankfurt mitteilte. Bis Ende 2011 will sich die Commerzbank von sechs Tochterunternehmen trennen. Innerhalb der kommenden fünf Jahre werde außerdem die Immobilientochter Eurohypo ausgelagert. Die Nummer Zwei auf dem deutschen Finanzmarkt muss nicht nur Geldinstitute abgeben, sondern darf auch drei Jahre lang kein anderes Haus übernehmen. Im Kundengeschäft sind Konditionen untersagt, die zu einer Art Preisführerschaft führen würden. Überall dort, wo das Institut einen Marktanteil von mehr als fünf Prozent hat, sind günstigere Konditionen als Wettbewerber nicht erlaubt. Die Frankfurter Banker, so hieß es gestern aus Finanzkreisen, können mit der Entscheidung gut leben. Lange hatte man bei der Commerzbank befürchtet, Brüssel könne dem Unternehmen seine beiden lukrativen Immobilien-Institute in der Ukraine und Polen nehmen, die beide hohe Gewinne abwerfen. Dagegen kommt dem Management die Trennung von der Eurohypo keineswegs ungelegen. Diese Tochter hatte zuletzt pro Jahr 1,2 Milliarden Verlust gemacht. Kommissarin Kroes zeigte sich überzeugt, dass die Bank, die nach der Übernahme der Dresdner in Schieflage geraten und mit über 18 Milliarden Euro vom Bund gehalten werden musste, am Ende dieser Umstrukturierung "langfristig überlebensfähig ist".Frankfurt. Bei der Verstaatlichung der angeschlagenen Immobilienbank Hypo Real Estate (HRE) steht die Bundesregierung kurz vor dem Ziel. Der Staat sicherte sich bei seinem Übernahmeangebot 47,3 Prozent der HRE-Aktien, wie der Bankenrettungsfonds Soffin gestern in Frankfurt mitteilte. Damit stehen die Chancen sehr gut, die Bank mit einem Votum der Hauptversammlung und ohne Zwangsenteignung der Aktionäre zu übernehmen. Unterdessen will die EU die Staatshilfe für die HRE genau prüfen. Mit 87 Milliarden Euro an Zuschüssen und Garantien hat der Staat das Überleben der Bank bislang gesichert. Gestern kam auch zum ersten Mal der Untersuchungsausschuss des Bundestages zusammen, der klären soll, welche Risiken der Bund im Zusammenhang mit der HRE eingegangen ist. afp/dpa