Grüne Sonntagspredigt: Hagen Rether gastierte in Saarbrücken

Grüne Sonntagspredigt: Hagen Rether gastierte in Saarbrücken

Es ging um die böse Kirche, die bösen Amerikaner und die bösen Großkonzerne: Am Sonntag gab Hagen Rether ein Gastspiel in Saarbrücken. Nach über drei Stunden fragte man sich: Ist der Mann Kabarettist oder Missionar?

Dass ein politischer Kabarettist an Pfingstsonntag 650 Zuschauer ins Staatstheater lockt, während draußen ein herrlicher Sommertag zu Ende geht, ist bemerkenswert. Am Ende der über dreistündigen Vorstellung fragte man sich aber, ob das nun noch Kabarett war oder eher eine Predigt. Hagen Rethers Absicht war offenbar weniger die Unterhaltung des Publikums, eher zielte der bekennende Grünen-Wähler darauf ab, angeblich bestehende Missstände aufzuzählen und dem Einzelnen eine Verhaltens-Änderung nahezulegen.

Manche linke Klischees wurden dabei bedient (böse Amerikaner, böse katholische Kirche, böse Großkonzerne), dann wieder überraschte Rether mit eigenwilligen Thesen wie der über die angeblichen Hexenjagd auf Frauen in Polen, von der man hierzulande nur nichts mitbekomme. Dass man besser kein Fleisch essen sollte, demonstrierte der 44-Jährige nicht nur durch den Verzehr von zwei Bananen ("davon wird man auch ganz schön satt") während seiner Polemik. Eindringlicher waren da die Schilderungen der Grausamkeit in der Massentierhaltung. Der von den Grünen geforderte Veggie-Day, ein Tag fleischloses Essen in Kantinen, gehe ihm nicht weit genug: Rether sprach sich dafür aus, zusätzlich die nächsten 30 Jahre komplett auf Meeresfisch zu verzichten, bis sich die Bestände erholt haben. Außerdem solle man doch bitte schön nur noch Fairtrade- und Bioprodukte kaufen.

Zu einer Politikerrede fehlte da nicht mehr viel, hätte es nicht die häufige Einstreuung von Gags ("Schon gelesen? Obama ist gar nicht echt - es ist der Wallraff!") und die eigenartige Weise des Vortrags gegeben: Rether flüsterte mehr als er sprach; über weite Strecken wirkte es außerdem, als rede er nur mit sich selbst. Gerade er, der sich sehr gegen Religionen aussprach, bis hin zur selten gehörten Buddhismus-Kritik ("der Dalai Lama ist der Peter Lustig für enttäuschte Christen"), wirkte selbst wie der einsame Rufer in der Wüste, jedenfalls mit hohem Missionierungs- und Aufklärungswunsch. Mit Michael Jacksons "Earth Song" und einem letzten Wunsch an die Zuhörer ("Seien Sie nett zu Ihren Kindern") verabschiedete sich der Missionar vom Publikum.

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