Wir möchten auf unserer Webseite Cookies und pseudonyme Analysetechniken auch unserer Dienstleister verwenden, um diesen Internetauftritt möglichst benutzerfreundlich zu gestalten.

Außerdem möchten wir und unsere Dienstleister damit die Besuche auf unserer Webseite auswerten (Webtracking), um unsere Webseite optimal auf Ihre Bedürfnisse anzupassen und um Ihnen auf unserer Webseite sowie auch auf Webseiten in verbundenen Werbenetzwerken möglichst interessante Angebote anzeigen zu können (Retargeting).

Wenn Sie dieses Banner anklicken bzw. bestätigen, erklären Sie sich damit jederzeit widerruflich einverstanden (Art. 6 Abs.1 a DSGVO).

Weitere Informationen, auch zu Ihrem jederzeitigen Widerrufsrecht, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.

| 00:00 Uhr

Grüne im Gegenstrom

Die Grünen schwimmen gegen den Strom. Und das gleich in doppelter Hinsicht. Von Stefan Vetter

Während die politische Konkurrenz fast durchweg weniger Europa will, sagen die Grünen klar, wir können gar nicht genug davon haben. So pro-europäisch wie die Grünen ist ausweislich ihres jetzt verabschiedeten Wahlprogramms wohl keine andere Partei.

Die Grünen schwimmen aber auch gegen ihren eigenen Strom. Spätestens seit dem Schock der verpatzten Bundestagswahl schien die personelle Erneuerung ein Muss zu sein. Und tatsächlich: Prominente Teile der Gründergeneration wie Jürgen Trittin oder Claudia Roth rückten entweder auf die Hinterbank oder in repräsentative Sphären. Dort sind sie nur noch ein Schatten ihrer selbst. Bei der Bestimmung der Spitzenkandidatur zur Europawahl wurde dieser Trend jedoch überraschend gestoppt. Mit der Gorleben-Ikone Rebecca Harms triumphierte Erfahrung über Erneuerung, wie sie ihre Konkurrentin "Ska" Keller auf ganzer Linie zu verkörpern schien. Jung, talentiert und selbstbewusst. Doch das allein ist eben auch keine Lösung. Weder Parteilinke noch Realos verfügen gegenwärtig über eine publikumswirksame Führungsfigur. Und ein grüner Gregor Gysi ist auch nirgendwo in Sicht. Für eine Partei, die im Bundestag zur kleinsten Oppositionskraft geworden ist, kann das zum ernsten Problem werden. Auch vor diesem Hintergrund schien den Parteitagsdelegierten in Dresden der Sinn nach Vertrautem zu stehen. Zumal Harms schon in der Vergangenheit als Spitzenkandidatin für ein gutes Abschneiden gesorgt hatte.

Von ihrer politischen Verunsicherung haben sich die Grünen deshalb aber trotzdem noch nicht befreien können. Wie auch? Als Verbots-Partei ist man grandios gescheitert. Siehe "Veggie-Day" oder Tempolimit. Und einen strammen Gegen-alles-und-jeden-Kurs kann man sich auch nicht leisten. Auf die rot-roten Stimmen Brandenburgs im Bundesrat kommt es im Zweifel nicht an, auf die Stimmen der sechs rot-grünen Landesregierungen schon. Da sind Konzepte gefragt und weniger Radau. Gangbare grüne Alternativen zu Gabriels umstrittener Energiewende zum Beispiel, die aber womöglich weniger Schlagzeilen produzieren als politische Kraftmeierei und billige Rhetorik. Nach dem nun schon dreimaligen Fehlanlauf, mit den Sozialdemokraten im Bund eine Regierung zu schmieden, ist überhaupt unklar, wie sich die Grünen künftig ausrichten werden. Schließlich gibt es auch ein interessantes schwarz-grünes Experiment in Hessen.

Ein Spitzen-Ergebnis bei der Europawahl mag Balsam für die grüne Seele sein. Aber die eigentlichen politischen Herausforderungen für die Partei liegen in den kommenden Regierungsjahren der großen Koalition.