Griechischer Notenbankchef warnt vor „Grexit“

Athen · Griechenland braucht nach Einschätzung seines Notenbank-Chefs Ioannis Stournaras dringend eine Einigung mit den Gläubigern. Andernfalls könnte das Land "Schlimmes" erleben. In seinem Bericht zur Lage der griechischen Wirtschaft warnte der Notenbankchef: "Ein Fehlschlag der Verhandlungen wird der Anfang eines schmerzhaften Kurses sein." Auf Griechenland kämen dann große Gefahren zu.

Am Anfang werde die Staatspleite stehen, die am Ende zum Austritt aus dem Euroland führen werde, heißt es in dem Bericht, aus dem die griechische Presse zitierte. Die Krise werde in diesem Fall "unkontrollierbar" werden, mahnte Stournaras. Die Griechen von heute hätten nicht das Recht, ihren Nachfahren dieses Problem zu übertragen.

Eine Lösung im griechischen Schuldenstreit ist jedoch nicht abzusehen. Hohe EU-Vertreter schraubten gestern die Erwartungen an das heutige Treffen der Euro-Finanzminister in Luxemburg erheblich herunter, da neue Spar- und Reformvorschläge aus Athen fehlten. "Die Chance, dass wir uns mit Griechenland am Donnerstag einigen, ist sehr klein", sagte der Chef der Eurogruppe, der niederländische Finanzminister Jeroen Dijsselbloem . Der Knackpunkt liege nicht bei der Schuldenlast. "Es geht um die Bereitschaft, schwierige Maßnahmen zu ergreifen", sagte Dijsselbloem. Dazu gehöre die Reform des griechischen Rentensystems.

Am 30. Juni muss Athen fast 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückzahlen; es gibt Zweifel, ob Griechenland dazu noch in der Lage ist. Zumal die Steuereinnahmen Griechenlands in den ersten fünf Monaten des Jahres eingebrochen sind. Sie blieben nach Berichten der Finanzpresse rund 1,7 Milliarden Euro hinter den Erwartungen zurück. Grund ist nach Angaben des Staatsradios, dass sich die Wirtschaft praktisch nicht mehr bewege. Die Mehrwertsteuereinnahmen seien dramatisch gesunken, weil viele Bürger ihre Ausgaben so weit wie möglich einschränkten.

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