Google-Gründer Page übernimmt das Steuer

Mountain View. "Tägliche Aufsicht durch Erwachsene nicht mehr nötig!" - Mit dieser Botschaft, geschickt über den Kurznachrichtendienst Twitter, verkündete Google-Chef Eric Schmidt (55) seinen Rückzug von der Spitze

Mountain View. "Tägliche Aufsicht durch Erwachsene nicht mehr nötig!" - Mit dieser Botschaft, geschickt über den Kurznachrichtendienst Twitter, verkündete Google-Chef Eric Schmidt (55) seinen Rückzug von der Spitze. Im Wettbewerb mit Facebook, Apple und Microsoft will der 37 Jahre alte Firmen-Mitbegründer Larry Page nach zehn Jahren wieder das Steuer des weltgrößten Internet-Konzerns übernehmen. Page hatte Ende der 90er zusammen mit seinem Studienkollegen Sergey Brin an der kalifornischen Stanford University den ersten Prototypen der Suchmaschine entwickelt. 1998 gründeten sie Google Inc.Die beiden Studenten waren begnadete Entwickler, doch als Geschäftsleute totale Anfänger. Deshalb holten sie den erfahrenen Manager Schmidt ins Unternehmen, der sich als Technikchef von Sun Microsystems, Geschäftsführer von Novell und Verwaltungsratsmitglied bei Apple einen Namen gemacht hatte. Schmidt brachte Google 2004 erfolgreich an die Börse. Er ebnete den Weg von einer aufstrebenden Internetsuch-Firma zu einem breit aufgestellten Technologie-Konzern.

Schmidt leitete das Tagesgeschäft, damit sich Page und Brin um die Entwicklung der Produkte kümmern konnten. Entscheidungen trafen letztlich alle drei gemeinsam. Die beiden Firmengründer gingen aber auch immer wieder eigene Wege. So nahmen Page und Brin 2005 ohne Rücksprache mit Schmidt einen Millionenbetrag in die Hand, um in den Mobilfunkmarkt einzusteigen und die Entwicklungsfirma Android zu übernehmen.

Aus Google ist ein Weltkonzern geworden. Über 24 000 Mitarbeiter kümmern sich um Internetsuche, Online-Werbung, Smartphones, Web-Videos oder Bürosoftware. Und da liegt das Problem: Google ist groß, kompliziert und verzettelt sich immer häufiger mit zum Teil skurrilen Initiativen. Autos, die selbst fahren können, der Online-Vertrieb von Mode oder die Übernahme eines Spezialisten für Fluginformationen gehören zu den umstrittenen Projekten. An der Führungsspitze war nicht mehr klar, wer für was zuständig ist. Das Triumvirat, wie Schmidt es nennt, funktionierte nicht mehr.

Andere sind mittlerweile flinker, wendiger und schneller in ihren Entscheidungen. Apple hat mit Steve Jobs eine charismatische Führungsgestalt, auch wenn der momentan eine Auszeit wegen seiner angeschlagenen Gesundheit nimmt. Und bei Facebook kommt der erst 26 Jahre alte Mark Zuckerberg auch ohne "tägliche Aufsicht durch einen Erwachsenen" aus. Mit beiden Konzernen ringt Google um die Führung im mobilen Internet, bei den digitalen Medien, den sozialen Netzwerken und bei der Werbung.

Nun ist aber auch bei Google wieder klar, wer Herr im Hause ist: Larry Page wird ab April das Sagen haben. "Eric ist ein toller Firmenchef, und ich habe viel von ihm gelernt", sagt Page. Und Schmidt sagt: "Keine Frage, Larry ist bereit, das Unternehmen zu führen." Page hatte zehn Jahre lang Zeit, sich auf seine Rolle vorzubereiten. Schmidt wird im Konzern bleiben und soll Google als Botschafter nach außen vertreten. Damit erspart er dem publikumsscheuen Page die verhassten Auftritte im Fernsehen oder auf großen Konferenzen.

Google-Mitbegründer Sergey Brin tritt mit dem Führungswechsel in die zweite Reihe zurück. Er macht das, was ihm schon an der Uni am meisten lag: Er tüftelt an neuen Produkten. Schmidt: "Sergey ist bis ins Mark ein Erfinder und Gründer." Der russische Emigrant war aber eine der treibende Kräfte für die Entscheidung Googles, sich der Zensur in China nicht mehr zu fügen. Page hatte da weniger Skrupel.