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Glosse
Weihnachtsmarkt

FOTO: dpa
Von Pia Rolfs

Über Stress wird viel geklagt, aber oft zu unspezifisch. Dabei ist das dringend geboten, gibt es doch eine brandaktuelle Form von Freizeitstress: den Weihnachtsmarktstress. Dieser entsteht dadurch, dass sich fast alle Bundesbürger mit sämtlichen Angehörigen, Freunden und Bekannten jeweils einmal auf dem Weihnachtsmarkt treffen wollen, dafür aber nur rund vier Wochen zur Verfügung haben. Da können alle Konstellationen schon rein rechnerisch kaum abgedeckt werden. Zumal jeder potenzielle Glühwein-Mittrinker bereits einen vollen Terminkalender hat – mit Weihnachtsmarkt-Treffen. Gesundheitlich besonders bedenklich: In diesem Weihnachtsmarktstress sind Ausnüchterungstage kaum möglich. Denn welcher Bekannte ist nicht beleidigt, wenn es heißt: „Mit Dir trinke ich nur Kinderpunsch, weil ich die letzten drei Tage mit anderen am Feuerzangenbowlen-Stand war?“ Selbst Knigge könnte sich diese sozial äußerst heikle Situation nicht mehr schöntrinken.


Die einzige Lösung wäre, den Weihnachtsmarkt ganzjährig auszudehnen. Aber niemand möchte der Bevölkerung in dieser Angelegenheit reinen Wein einschenken. Höchstens noch einen Glühwein.