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Glosse
Frühjahrsputz 2.0

Glosse.
Glosse. FOTO: Tobias Hase / picture alliance / dpa
Früher dachten viele, der Frühjahrsputz beschränke sich auf die eigene Wohnung. Aber weit gefehlt. Denn ausgemistet werden muss mittlerweile auch mental, emotional und vor allem digital. So entrümpelt laut einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom jeder Zweite regelmäßig seine Freundeslisten. Das verblüfft. Glaubten doch Ältere gerade verstanden zu haben, dass es in den sozialen Medien ums bloße Anhäufen von Kontakten geht. Und demnach ist der Umstand, dass man einen Facebook-Freund nicht kennt, noch lange kein Grund, diese Freundschaft zu kündigen. Im Gegenteil. So wird diese Beziehung nicht durch unnötige Nähe belastet. Von Pia Rolfs

Trotzdem wächst nun die Besorgnis, selbst ausgemistet zu werden. Was kann dazu führen? Das fehlende „Gefällt-mir“-Klicken beim 50. Essensbild? Eine zu lustlose Preisgabe von intimen Daten? Die Antwort bleibt verborgen, wie so vieles im Netz. Manche sind derweil so im Digital-Putzwahn, dass sie gleich ihre ganze Facebook-Mitgliedschaft entsorgen. Aber das Zurückfinden in die reale Beziehungswelt und ihre Begriffe kann schwierig werden. Denn wenn dort jemand ausgemistet wird, hört er paradoxerweise oft den Satz: „Lass uns Freunde bleiben.“