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Selbstoptimierung
Profit im Wartezimmer

Wer für das Wartezimmer zu schwach ist, sollte den Arzt gar nicht erst behelligen. Von Pia Rolfs

Der moderne Mensch muss sich ständig optimieren und dafür in seinem durchgetakteten Alltag auch das allerkleinste Zeitfenster nutzen. Sogar das Wartezimmer. So rät das Patientenmagazin „Hausarzt“ zu isometrischen Übungen, mit denen die Wartenden dort ihre Körperspannung aktivieren können – ohne dass der Sitznachbar davon etwas mitbekommt. Offenbar nicht mehr angesagt ist dagegen die Armmuskel-Spannung beim Kampf um die alten Zeitschriften, durch die der Sitznachbar „versehentlich“ den Ellenbogen abbekommt. Vermutlich, weil die Zahl der lesenden Menschen generell zurückgeht.


Womöglich ließe sich im Wartezimmer auch ein Fitness-Gerät aufstellen und ein Gehirnjogging-Programm absolvieren. Das wäre für wirklich Kranke zwar anstrengend, würde aber im Hinblick auf teure Behandlungen eine Vorauswahl treffen. Schließlich ist das Überleben des Stärksten ein bewährtes Prinzip der Evolution. Und wer für das Wartezimmer zu schwach ist, sollte den Arzt gar nicht erst behelligen. Denn dieser befürwortet immer die Fitness seines Patienten, verfolgt also stets ein Prinzip, das manche irrtümlicherweise ohne Bindestrich schreiben: „Pro-Fit“.