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Moderne Frauen
Fotogen und stolz darauf

FOTO: Tobias Hase / picture alliance / dpa
Von Pia Rolfs

Früher war es Frauen wichtig, gut auszusehen. Heute reicht es ihnen meistens, zumindest auf Fotos gut auszusehen. Schließlich können sie sich selbst nicht in Gänze per Whatsapp verschicken. Jedenfalls bisher noch nicht.


Allerdings klammern sich gerade ältere Frauen sehr häufig noch an die etwa seltsame Vorstellung, dass sie auch in der Realität gut ankommen möchten. Und reagieren daher ziemlich sensibel auf die Formulierung: „Du bist ja fotogen.“ Weil sie darin die versteckte Bedeutung vermuten: „In Wirklichkeit siehst du längst nicht so gut aus wie auf den Fotos.“ Und sie sind leider noch nicht modern genug, um sich darüber zu freuen.

Irgendwann aber lernen sie dann, das als natürlichen Zustand zu akzeptieren. Schließlich lassen sich Fotos wesentlich leichter bearbeiten oder mit einem Filter versehen als das reale Gesicht. Und diese Filter eignen sich auch für die Sprache. Denn dann bedeutet der Satz „Du bist ja fotogen“ nur noch „Du bist eine Meisterin der Täuschung“.

Und die Frau, die das nicht sein will, wurde in ihrem Leben noch nicht fotografiert.