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Glosse
Umsteigezeiten

(Symbolfoto).
(Symbolfoto). FOTO: dpa
Die Gesellschaft ist gespalten – auch in Bahnprofis und Bahnlaien. Glücklicherweise sind beide Gruppen leicht zu unterscheiden: an ihrer Einstellung zum Umsteigen. Von Pia Rolfs

So glauben Wenigfahrer oft, dass sie schneller am Ziel sein können, wenn sie mit ICE-Zügen fahren und zweimal umsteigen. Ein  folgenschwerer Fehler, der auf einer falschen Grundannahme beruht: Die Umsteigezeit hat mit der Realität irgendetwas zu tun.


Tatsächlich handelt es sich dabei um eine noch nicht erforschte Parallelwelt, in der verschiedene Zeitmessungen übereinanderlappen: die Zeitzonen des ersten und zweiten Zuges. Denn beide bewegen sich zwar oberflächlich in demselben Bahnuniversum. Trotzdem liegt erfahrungsgemäß die Abfahrt des zweiten Zuges fast immer vor der Ankunft des ersten. Und deswegen gilt: Zweimal Umsteigen ist wie einmal gestrandet.

Ein seltsames Phänomen, das vermutlich erst künftige Nobelpreisträger entschlüsseln werden. Obwohl Bahnprofis bereits fühlen, dass hier die Einstein’sche Relativitätstheorie nur missverstanden wurde: Denn auch wenn die Züge oft zur falschen Zeit im richtigen Raum sind, sind sie laut Bahn doch insgesamt relativ pünktlich.