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Glosse
Die Jugend merkelt

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Der Marketing-Abteilung der FDP ist ein Coup gelungen. Sie hat den Namen des Vorsitzenden der Partei, die eher für Altherrenwitze stand,  in die Jugendsprache eingeschleust und kann so neue Wählerpotenziale erschließen. Von Ulrich Brenner
Ulrich Brenner

„Lindnern“ (etwas lieber gar nicht machen als schlecht machen) hat es – inspiriert vom Jamaika-Abbruch – unter die 30 Kandidaten für das ,,Jugendwort des Jahres 2018“ geschafft. Der Name des FDP-Chefs steht nun neben ,,breiern“ (brechen und weiterfeiern) und „zuckerbergen“ (stalken) ebenbürtig in der Lebenswirklichkeit der Jungwähler. Der Coup hat bei der bürgerlichen Konkurrenz hektische Versuche ausgelöst, auch Namen von Unions-Spitzenleuten in der Jugendsprache zu etablieren. „Merkeln“ als stoisches Abblitzenlassen von Schulhof-Machos hat Potenzial. „Seehofern“ (Schlussmachen und davon zurücktreten) könnte sich als Synomym für die On-Off-Beziehungen der Tinder-Generation durchsetzen. Auch „spahnen“ als Jugendwort für die Abgabe ungebetener Ratschläge an Randgruppen hat Chancen. Auf Versuche, „kramp-karrenbauern“ in die Jugendsprache zu schleusen, verzichtete das Adenauerhaus aus praktisch-artikulatorischen Gründen.