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Glänzender Saarbrücker Abend mit dem Orchestre National de Belgique

Saarbrücken. Helmut Fackler

Gast der 3. Soirée des SR war wieder einmal das Orchestre National de Belgique unter seinem Chefdirigenten Andrey Boreyko. Das reine Tschaikowsky-Programm begann mit einem sinfonischen Ballett aus dem Opernerstling "Der Wojewode". Tschaikowsky mochte die Arbeit nicht, sie hinterließ auch keinen überzeugenden Eindruck, obwohl sie lebendig präsentiert wurde. Zum Highlight wurde das Violinkonzert op. 35, dem Vadim Gluzman mit seiner Stradivari alles gab, was russische Seele und Geigenkunst ausmacht.

Souverän meisterte er die technischen Schwierigkeiten, erfüllte die Melodien mit Seele und Poesie und inspirierte so auch das Orchester zu einfühlsamer Partnerschaft. Bewundernswert auch, wie Boreyko mit suggestiver, kleiner aber klarer Geste gekonnt begleitete und das Orchester in den Tuttis explodieren ließ. Dabei vermied er sentimentale Gefühligkeit, ohne melodiöse Eindringlichkeit zu vernachlässigen. Er gestaltete die Kadenz im ersten Satz bravourös, gab sich im Zweiten den "sons voilés" mit warmem Timbre hin und trieb im Finale Tempo und Rhythmus temperamentvoll zum strahlenden Ende. Da hatte das Orchester mitunter Mühe, die forschen Accelerandi zu synchronisieren.

Dem rauschenden Applaus folgte eine meditative Zugabe: Bachs "Sarabanda" aus der d-moll-Partita. Die 3. Suite gehört zu den weniger bekannten Werken, sie ist eine Entdeckung wert. Das ausgedehnte Opus 55 enthält viel Elegisches im ersten und schwermütige Melancholie im zweiten Satz. Ein Scherzo im Tarantella-Stil wirkte ein wenig überdreht, die Variationen des Finales forderten von allen Orchestergruppen solistisches Potenzial. Eine inspirierte, stimmungsvolle, an glänzenden Details reiche Aufführung.