Gewerkschaft fordert Ende der Befristungs-Strategie bei der Post

Gewerkschaft fordert Ende der Befristungs-Strategie bei der Post

Zwölf Prozent der Briefzusteller der Deutschen Post im Saarland sind befristet beschäftigt. Und es werden mehr. Die Gewerkschaft Verdi fordert jetzt ein Umdenken.

Für Steven Schmelzer hat der Jahreswechsel wenig Positives. Denn dann droht schon wieder die Arbeitslosigkeit. Ende Februar läuft sein Vertrag bei der Deutschen Post als Zusteller in Blieskastel aus. Es ist bereits der vierte befristete Vertrag in Folge. "Jetzt muss ich wieder zum Arbeitsamt und mich arbeitssuchend melden", sagt er. Was dann kommt, kennt er schon: "Nur Angebote bei Zeitarbeitsfirmen." Der 29-Jährige hofft zwar auf eine erneute befristete oder vielleicht sogar eine Festanstellung bei der Post. "Ich habe signalisiert bekommen, dass man mich auch fest anstellen könnte", sagt er. Doch sicher ist nichts: "Planen kann man so nicht", sagt Schmelzer resigniert.

Schmelzer ist einer von fast 200 befristet Beschäftigten der Deutschen Post im Saarland. Zwölf Prozent der Belegschaft von 1700 Mitarbeitern im Saarland haben nur einen Vertrag auf Zeit. "Zu viel", sagt Birgit Sperner, Landesfachbereichsleiterin der Gewerkschaft Verdi. Verträge auf Zeit seien ja grundsätzlich nicht falsch, wenn es darum gehe, Spitzen auszugleichen. Dafür reiche aber ein weit geringerer Prozentsatz. Vielmehr nutze das ehemalige Staatsunternehmen das Teilzeit- und Befristungsgesetz massiv aus, das zwei Jahre grundlose Befristung und bei vorliegenden Gründen eine weit längere Befristung erlaubt. "Die Post muss erkennen, dass ein Qualitätsanbieter auch auf die Qualität der eigenen Arbeitsverhältnisse achten muss", sagt Sperner.

Befristet Beschäftigte seien im Gegensatz zu Festangestellten permanent unter Druck, beklagte die Verdi-Frau. "Sie fühlen sich wie Angestellte zweiter Klasse, sind immer in der Probezeit. Und sie haben Angst, Fehler zu machen, die den Anschlussvertrag gefährden."

Zwar habe die Post angeboten, der Gewerkschaft bei der Befristungs-Praxis entgegenzukommen, im Gegenzug sollte Verdi Abstriche bei den Lohnforderungen machen. "Das aber ist mit uns nicht drin", sagt Sperner.