| 00:00 Uhr

Geschäftsmodell Lücken schließen: Die Luxemburger Agentur mediArt

Luxemburg. Die Saarbrücker Galerie St. Johann zeigt derzeit spannende Druckgrafiken von Künstlern der Großregion. Sie stammen aus Editionen der privaten Luxemburger Kulturagentur mediArt. Doch was macht die eigentlich genau? sg

Wenn das Einsatzgebiet die Großregion ist, gehören Grenzen überschreiten und Lücken schließen zum Kerngeschäft. Wie zum Beweis gründeten die beiden Luxemburger Paul Bertemes und Jean Colling 2004 die private Kulturagentur mediArt. Bertemes arbeitete viele Jahre als Kulturjournalist für die Saarbrücker Zeitung und war später Öffentlichkeitsarbeiter für ein Luxemburger Stahlunternehmen. Er und sein Geschäftspartner Colling, der zuvor im Bereich der Finanzkommunikation aktiv war, gaben bewusst einer Agentur den Vorzug vor einer Galerie, "auch, weil wir einen sehr großen Akzent auf Kommunikation legen wollten", erklärt Bertemes.

Man habe sich von vorneherein breit aufstellen wollen, was die Aktivitäten anging, fügt er hinzu. Als eine private Agentur "müssen wir alles, was wir ausgeben, erst verdienen". Denn Kunst ist keine kostenlos erbrachte Leistung: "Kunst hat ihren Preis, muss ihren Preis haben", betont Paul Bertemes. Das gilt auch für die Zusammenarbeit mit Unternehmen, die etwa eine Sammlung besitzen, dazu eine Publikation wünschen oder eine Ausstellungsreihe - ihnen bietet die Agentur als Dienstleister "schlüsselfertige Lösungen in Absprache mit unseren Kunden". Oder sie konzipiert im Auftrag von Städten wie Differdange oder Wiltz Ausstellungen, gibt Publikationen zu Architektur, Lyrik und Kunst sowie Editionen mit Druckgrafiken von Künstlern der Großregion heraus, woraus nun eine Auswahl in der Galerie St. Johann zu sehen ist.

Und sie schließt Lücken. Denn während sich in Luxemburg Mudam und Casino der aktuellen Kunst widmen, das Museum für Kunst und Geschichte in die vorherigen Jahrhunderte zurückschaut, kümmert sich mediArt um die nach 1950 entstandene Kunst und um Künstlernachlässe. Dieser Ansatz greift über die Landesgrenzen hinaus und verbindet mediArt mit dem Institut für aktuelle Kunst im Saarland.

mediArt betrachtet dabei das Luxemburger Kunstschaffen im Kontext der Großregion, etwa in der vierbändigen Reihe "Atelierbesuche" oder in gemeinsam mit dem Merziger Fellenberg-Museum konzipierten Ausstellungen, während im Ausstellungsraum der Agentur in der Luxemburger Altstadt gerade die Arbeiten von Oskar Holweck vorgestellt wurden: Auf dass sich die Kunstszene in der Großregion besser kennenlernt. Nach fast zehn Jahren Arbeit zieht Paul Bertemes eine positive Bilanz: "Es hat sich gelohnt, weil wir Dinge realisiert haben, die nicht nur Spaß machen, sondern auch sinnvoll sind."

Die Ausstellung in der Saarbrücker Galerie St. Johann läuft bis zum 27. September. Öffnungszeiten: Dienstags bis Freitags, 16 bis 19 Uhr. Sommerpause vom 6. bis zum 30. August.