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Gemeinschaftssache Jazz

St Ingbert. Zwei Echo-Preis-Nominierte, eine Sinti-Jazz-Legende, regionaler Jazz bei freiem Eintritt: Das Programm des diesjährigen St. Ingberter Jazzfestivals ist wieder breit gefächert. Zusammengestellt hat es kein künstlerischer Leiter, sondern ein Team. Kerstin Krämer

Nachdem jahrelang wechselnde künstlerische Leiter das Sagen hatten, ist das 29. Internationale Jazzfestival St. Ingbert (18.-22. März) nun die dritte Ausgabe, die, wie es die Presseinformation verlautbart, von den "Kulturmachern der Stadt" unter Einbeziehung eines Arbeitskreises organisiert wird. Doch wer steckt genau dahinter? Kulturamtsmitarbeiter Stefan Folz lüftet das Geheimnis: Er selbst konzipiere mit Boris Henn aus dem Leitungsteam der Musikschule St. Ingbert und dem Musikmanager Yvan Tan aus Gersweiler, mit dem die Stadtverwaltung schon länger zusammenarbeite, ein Programm. Dieses werde anschließend vom Arbeitskreis diskutiert; einem ehrenamtlichen Gremium aus rund 20 Leuten, darunter Musiker, Mitglieder des Stadtrats und der Kinowerkstatt sowie kulturell engagierte Bürger. Dem Arbeitskreis verdanke sich beispielsweise die Anregung, dem regionalen Nachwuchs ein Podium zu bieten und das Festival in diesem Jahr auf fünf Tage auszuweiten: Mit dem Auftritt der Landesschülerbigband Jazztrain und des Jazzensembles der Musikschule St. Ingbert will man junge Hörer gewinnen, daher ist auch der Eintritt beim Festivalauftakt frei.

Das Repertoire der restlichen vier Abende reicht vom Gypsy-Swing des Roby Lakatos Quartetts, das den Gitarristen Biréli Lagrène und die beiden als Wunderkinder gefeierten Solisten Andreas Varady und Sandro Roy mitbringt, über den Funk und Soul der Brassband Beat'n'Blow bis zu den Tom-Waits-Adaptionen der HR Bigband - hier soliert die norwegische Jazz-Vokalistin Rebekka Bakken, die wie ihre Sangeskollegin Johanna Borchert ebenfalls für den Echo-Preis nominiert ist. Neben den Trios des als Nachfolger von Jaques Loussier gehandelten Pianisten David Gazarov und der jungen französischen Soul- und Bluessängerin Nina Attal hat sich auch die aus dem Saarland stammende Saxofonistin Nicole Johänntgen mit der Bigband der Software-Schmiede SAP angesagt.

Das Gesamtbudget des Festivals, erläutert Stefan Folz, sei bis zu einem Minus von 80 000 Euro gedeckelt; das sei deutlich weniger als zu der Zeit, als das mittlerweile in die Stadthalle zurückgekehrte Festival noch in der teureren Alten Schmelz stattfand und das Defizit zuletzt auf 160 000 Euro explodierte. Folz: "Das motiviert uns, Sponsoren zu suchen." Mit dem Standortwechsel litt freilich die Atmosphäre, hier will man nachbessern und über einen Cateringservice ein besseres kulinarisches Angebot präsentieren als letztes Jahr. Zugegeben: Die Idee, Kompositionen von Johann Sebastian Bach zu "verjazzen", ist nicht gerade taufrisch. Und auch die Widmung an Crossover-Pionier Jacques Loussier im Booklet von David Gazarovs aktueller CD macht zunächst eher skeptisch: Ist "Bachology" am Ende nicht mehr als ein öder Aufguss alter "Play Bach"-Alben?

Mitnichten. Wo Loussier Kantaten, Toccaten und Fugen bisweilen ohne Rücksicht auf Verluste in ein Einheits-Swing-Korsett zwang, geht der in Aserbaidschan geborene Gazarov zusammen mit Meinhard "Obi" Jenne (Schlagzeug) und Mini Schulz (Kontrabass) zum Teil deutlich differenzierter zu Werke. Technisch exzellent und mit Gespür für die melodischen und harmonischen Feinheiten der Originale - angefangen vom 1. Satz des "Italienischen Konzerts" bis zur berühmten "Air" -, arbeitet Gazarov die Kern-Ideen der Kompositionen heraus und verpasst ihnen dezent einen frischen Glanz.

David Gazarov Trio: Bachology (Enja).

Wenn ein Junge schon im Alter von fünf Jahren Papas Wes-Montgomery-Platten rauf und runter hört, dürften die Eltern kaum erstaunt sein, wenn ihr Sohn später "in Jazz " macht. Bei Sandro Roy kommt verschärfend hinzu, dass er 1994 in eine Sinti-Musiker-Familie hineingeboren wurde. Schon in frühen Jahren räumte der Violonist etliche Preise ab, mit 13 war er Bundespreisträger bei "Jugend musiziert". Mittlerweile ist Roy 20 Jahre alt und hat gerade sein Debüt "Where I come from" vorgelegt. Es ist eine Art musikalische Visitenkarte: Elegant swingt sich Roy durch Jazz-Klassiker von "Tune up" bis "Someday my prince will come". Unterstützt wird er von einer souverän agierenden Combo mit Paulo Morello, Sascha Reinhardt (beide Gitarre) und Joel Locher (Bass). Roys Virtuosität ist verblüffend, sein Balladenschmelz in den langsamen Titeln betörend. Beste Voraussetzungen, um ein Album mit eigenen Stücken nachzulegen.

Sandro Roy: Where I come from (Skip Records).

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Auf einen BlickDas St. Ingberter Jazzfestival startet heute Abend, 19 Uhr, in der Stadthalle mit der Landesschülerbigband Jazztrain. Die weiteren Konzert: Do, 19. März, 20 Uhr: HR Bigband feat. Rebekka Bakken; Fr, 20. März, 20 Uhr: SAP Bigband feat. Nicole Jo, David Gazarov Trio; Sa, 21. März, 20 Uhr: Johanna Borchert, Nina Attal Trio, Beat'n'Blow; So, 22. März, 18 Uhr: Roby Lakatos Quartett feat. Biréli Lagrène, Andreas Varady & Sandro Roy. Karten unter Tel. (02 31) 9 17 22 90 und www.experience-jazz.de kek